Nachdem durch die Ausbreitung des Islam der Besuch der Heiligen Stätten in Jerusalem nicht mehr möglich war, wurden iIm Mittelalter überall im christlichen Abendland sogenannte Kreuzwege errichtet, in denen die vierzehn Stationen des Kreuzwegs, den Christus der Überlieferug nach am Karfreitag gegangen ist, dargestellt wurden. Vor allem in der Passionswoche und am Karfreitag wurde und wird auch heute noch dieser Kreuzweg von den Gläubigen im Gebet abgeschritten.
Auf einem Kreuzweg in Klausen bei Trier findet sich die Darstellung der vierten Station dieses Kreuzwegs, die lautet: Jesus begegnet seiner Mutter.
Der Überlieferung nach stand Maria am Kreuzweg Jesu. Hier ist dargestellt, wie sie ihrem Sohn gleichsam tröstend die Hand auf die Schulter legt, eine berührende Szene. Maria kann ihm sein Kreuz nicht abnehmen, aber sie kann es ihm leichter machen, es zu tragen.
Im Lukasevangelium (Lk 1,26 - 38) wird geschildert wie der Erzengel Gabriel die Geburt Jesu verkündete:
Siehe, du wirst schwanger werden
und einen Sohn wirst du gebären;
dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen,
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Welche Verheißung und welcher Gegensatz! Aber Maria stand zu ihrem Wort, das sie zu dem Engel gesagt hatte: „Mir geschehe, wie du gesagt hast," Dieses Wort hat sie nicht zurückgezogen, auch nicht im Moment der tiefsten Erniedrigung ihres Sohnes und ihres eigenen Schmerzes. Sie hörte nicht auf, daran zu glauben, dass sich schließlich die Verheißungen über Jesus doch erfüllen würden, auch wenn der Weg über das Kreuz führte.
Hier wird offenbar, dass Christus sich bis zum äußersten dem Bösen ausgesetzt hat, um die Menschen davon zu erlösen. Der Triumph über das Böse geschieht, als er nach seinem schmachvollen Tod am dritten Tage wieder aufersteht, was wir an Ostern feiern.
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihm den Jünger (Johannes), den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! (Johannes 19,26-27a)
Die Kirche hat in dieser Szene und in den Worten Jesu, das er vom Kreuz herab sprach, immer einen Hinweis gesehen, dass Jesus vom Kreuz herab Maria nicht nur Johannes sondern allen Menschen Maria zur Mutter gegeben hat.
So haben Christen aller Zeiten geglaubt, dass auch ihr Lebensweg unter dem Wort Mariens stehen soll: „Mir geschehe!" So haben sie auch immer wieder in schweren Stunden darin Trost gefunden, dass sie ihren eigenen Kreuzweg mit Jesus und Maria gehen können.
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