Was geht da verloren, wenn wir nur noch von Schuld sprechen? Schuld steht da wie ein dunkles Monument, unverrückbar wie die Stelen des Holocaust- Mahnmals in der Nähe des Reichstags in Berlin.
Ein Richter kann Schuld nicht vergeben. Er muss die Strafe verhängen, die das Gesetz vorschreibt. Sünde aber ist Schuld gegenüber Gott. Als sich König David in die Frau seines Dieners Urias verliebte und ihren Mann töten ließ, um sie zu besitzen, schrie er, als er sein Vergehen erkannte: „Herr, gegen dich allein habe ich gesündigt“ (Ps 51, 6). Sünde kann vergeben werden. Gott kann vergeben, weil er Person ist, letzte Instanz, letzte Vergebung. Diese letzte Instanz ist der barmherzige Gott, eine Person, die mir verzeihen kann.
Deshalb hängen immer noch Kreuze in unseren Gerichtssälen als Zeichen, dass menschliche Gerichte nur die vorletzte Instanz sein können. Schuld vergeben können wir nur angesichts einer letzten Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
Selbst wenn ein Mensch mir vergibt, weil ich ihn beleidigt habe, fühle ich mich weiter schuldig, weil ich unrecht gehandelt habe. Schuld kann nicht weggeredet werden. Es gibt sogar Menschen, die sich einem Richter stellen, um Ruhe vor ihrem Gewissen zu finden.
Sünde richtet sich gegen eine letzte Instanz, gegen Gott und der ist nicht nur gerecht sondern auch barmherzig.
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