Man spricht bei einem Menschen von Herzensbildung, wenn bei ihm Verstand, Wille und Gemüt in einer einheitlichen Beziehung zueinander stehen und ihn befähigen, aus der Mitte seiner Person, alle Saiten der Grundeigenschaft des Menschen, nämlich lieben zu können, überall und in allen Lebenslagen zum Klingen zu bringen.
Rechte Herzensbildung bewirkt im Verbund mit natürlicher Intuition zum Beispiel bei der Elternschaft eine ganzheitliche Sicht in der Erziehung der Kinder, wo Herz, Verstand und vor allem Geduld zusammenwirken.Hier ist das gelebte Beispiel oft eindrücklicher als belehrende Argumente.
Der Erfolg der Erziehung wird oft erst später im Laufe des Lebens sichtbar. So sagte Mark Twain zu einem 17-jährigen, der ihn um Rat fragte: „Es war ungefähr in deinem Alter, wo auch mein Vater so komisch geworden ist. Aber das hat sich später wieder gegeben und du wirst es nicht glauben, heute frage ich meinen Alten manchmal selber um Rat."
Herz steht vor allem für die Liebe als Wesenheit und Wesensbestimmung des Menschen. Nach christlichen Verständnis gründet die Fähigkeit zu lieben, im Ursprung des Menschen aus dem dreifaltigen Gott, der gleichzeitig Person und Beziehung in Liebe ist und von dem der Evangelist Johannes sagt: Gott ist die Liebe.
Die Leistung des Herzens, zum Beispiel einer Mutter, die geduldig ihrem Kind zuhört, konnte ich bewundern als ich nach einer Wanderung auf den Laber, einem der Hausberge von Oberammergau, mit der Gondel hinunterfuhr, um meine Knie zu schonen. Eine junge Familie stieg ein. Während der Fahrt, mit Blick auf die weite Runde der Ammergauer und Garmischer Alpen redete der kleine etwa fünfjährige Sohn ununterbrochen und richtete alle möglichen Fragen an seine Eltern. Auf mein Lächeln hin sagte die junge Mutter: „Der Kleine ist eine Batschelschnüss" (hochdeutsch: redseliges Kind). Wenn er morgens die Augen aufmacht, fängt er damit an und hört erst wieder auf, wenn er sie abends wieder zumacht..."
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