Jedes Mal, wenn ein Sarg oder eine Urne in die Grube hinabsinkt, haben wir das Gefühl endgültigen Abschieds. Als Christen dürfen wir aber glauben, dass es kein Abschied für immer ist. So sagt Jesus vor dem letzten Abendmahl kurz vor seinem Tod zu seinen Jüngern: „Jetzt seid ihr bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand wird euch eure Freude nehmen "(Joh 16,22).
Und zu Marta, deren Bruder Lazarus er aus dem Grab wieder ins Leben gerufen hatte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?" Marta antwortete ihm: „Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll."
Die Verstorbenen gehören weiter zu der Gemeinschaft der Kirche. Als Christen können wir auch im Nachhinein noch weiter mit ihnen kommunizieren und sogar für sie beten. So haben wir auch nach ihrem Tod die Möglichkeit, mit ihnen auf geistige Weise verbunden zu bleiben.. Wir können uns sogar noch nach ihrem Tod mit ihnen versöhnen oder auch Worte der Trauer und der Liebe an die Verstorbenen richten.
Ich hatte eine Patientin, die mehrmals in der Woche zum Grab ihres Mannes ging, um dort zu beten und wohl auch um Zwiesprache mit ihm zu halten. Ich weiß ja nicht, wie ihr Verhältnis zu ihrem Mann war. Vielleicht hat sie auch im Nachhinein noch manches mit ihm besprochen, sich bedankt oder auch Abbitte geleistet oder auch sich mit ihm versöhnt, wenn er sie schlecht behandelt hatte.
Einmal kam ihre Tochter zu mir und bat mich, ihrer Mutter zu verbieten, dass die damals über 80 -jährige Patientin auch im stre ngen Winter zum Grab ging. Die Tochter hatte Angst, dass sie sich dabei eine Lungenentzündung zuziehen könnte. Ich bin der Bitte der Tochter natürlich nachgekommen, aber ich denke für diese Frau waren die Besuche am Grab ihres Mannes wichtig geworden.
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