Am Sonntag war Muttertag. Ich war auf einem Familientag, den Ordensschwestern organisiert hatten, als Gast von den Schwestern eingeladen. Dabei führte eine Mutter mit ihrer Tochter einen kleinen Sketch auf.
Die Tochter stellte der Mutter eine Rechnung auf für die Leistungen, die sie für die Familie erbracht hatte, z.B.: In der Küche beim Abwasch geholfen 3 Euro, auf den kleinen Bruder aufgepasst 5 Euro, Einkaufen 5 Euro, sein Zimmer aufgeräumt: 5 Euro. Die Mutter zahlte der Tochter die Rechnung und bedankte sich.
Dann stellte sie eine Gegenrechnung auf: Neun Monate Aufenthalt in meinem Körper Null Euro. Viele Male nachts für dich aufgestanden und an deinem Bett gewacht, viele Male dich gewaschen, angezogen, dich gestillt und zu essen gegeben Null Euro. Viele Jahre für dich gekocht, geputzt und gesorgt Null Euro - sozusagen alles, was heute als „Care-Arbeit" bezeichnet wird..
Dann haben sich Mutter und Tochter umarmt und die Tochter hat ihr die 18 Euro, die auf ihrer Rechnung standen, zurückgegeben.
Die Tochter sagte mir dann, sie habe ihrer Mutter natürlich nie eine Rechnung präsentiert, aber anhand des Sketchs sei ihr nochmal klar geworden, was die Mutter alles für sie getan hat.
Kein Mann wird jemals begreifen, was es heißt, ein Wesen in seinem eigenen Leib zu empfangen, zu spüren, zu nähren und schließlich zur Welt zu bringen. Ich hatte das Glück, bei einer Reihe von Geburten zu helfen. Es war jedes Mal das Gefühl, bei etwas Großartigem dabei zu sein, den Anfang zu erleben, etwas Neues und Hoffnungsvolles. Vielleicht klingt es merkwürdig, dass ich als Mann diese jungen Frauen beneidete, dass sie dem Leben so nahe sein können. Ich sehe heute noch die trotz der überstandenen Strapazen glücklich strahlenden Gesichter dieser Frauen, als man ihnen zum ersten Mal ihr Kleines in den Arm und an die Brust legte.
Sicher ist es gut, wenn sich heute Väter mehr an der Betreuung und Erziehung der Kinder beteiligen. Sie werden aber nie die Rolle einer Mutter gerade in der ersten Lebensphase ersetzen können. Allein durch die neun Monate einer Schwangerschaft entsteht eine einzigartige Beziehung zwischen Mutter und Kind.
Es ist deshalb schade, wenn junge Frauen in unser modernen westlichen Gesellschaft oft mehr geachtet werden, wenn sie in ihrem Beruf Erfolg haben als wenn sie Kinder betreuen.. Das kann in Grund sein, weshalb das Alter junger erstgebärender Frauen in Deutschland mittlerweile bei 30,4 Jahren liegt (1991 27,9 ; 1975 24,6 Jahre)
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