WÜRDE

Geschrieben am 05.06.2026
von Joachim Heisel


Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.:

Der heilige Johannes Paul II. betonte: »Der geschärfte Sinn für die Würde und Einmaligkeit der menschlichen Person wie auch für die dem Weg des Gewissens gebührende Achtung stellt also sicher eine positive Errungenschaft der modernen Kultur dar.«  Diese Aussage folgt der bereits vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgezeichneten Linie, die ein wachsendes Bewusstsein für die einzigartige Würde jedes Menschen, für seinen Wert, der über den materiellen Dingen steht, sowie für seine universalen und unantastbaren Rechte und Pflichten festgestellt hatte.  Es ist wichtig, darauf zu achten, dass dieses gewachsene Bewusstsein für die Menschenwürde nicht unter dem Druck neuer Ideologien oder bestimmter, sehr mächtiger Interessen in der heutigen Welt getrübt wird. Unter diesen Ideologien halte ich jene für besonders verfänglich, die suggeriert, dass jeder Mensch seinen Wert erst verdienen oder rechtfertigen müsse, bis dahin, dass denjenigen, die effizienter und leistungsfähiger sind, ein höherer Wert beigemessen wird. Innerhalb einer solchen Perspektive wird der Mensch letztlich auf ein Mittel zur Erzielung von Ergebnissen reduziert, auf eine Ressource, die man nutzen und ausbeuten kann, und nicht mehr als ein Zweck in sich selbst anerkannt, der niemals instrumentalisiert werden darf. Doch der Wert des Menschen hängt nicht davon ab, was er leistet oder produziert, und es gibt Rechte, die allen allein aufgrund der Tatsache zustehen, dass sie Menschen sind. Keine menschliche Macht kann diese rechtmäßig verweigern oder willkürlich einschränken. 

Wenn wir von Würde sprechen, dann verwenden wir diesen Begriff nicht immer in der gleichen Weise: Manchmal beziehen wir uns auf die moralische Würde, also auf die Art, wie ein Mensch seine Entscheidungen und sein Handeln gestaltet; in anderen Fällen meinen wir die gesellschaftliche Würde, also die Lebensbedingungen des Menschen und die konkrete Achtung, die ihm von der Gesellschaft entgegengebracht wird; in wieder anderen Fällen meinen wir die existenzielle Würde, also wie ein Mensch den Wert seiner selbst und seines Lebens wahrnimmt. Diese Dimensionen der Würde können zunehmen oder abnehmen. Über diese Bedeutungen hinaus gibt es jedoch eine tiefere Ebene, die wichtigste, nämlich die ontologische Würde. Das ist die Würde, die einem jeden Menschen allein aufgrund der Tatsache zusteht, dass er existiert, dass er von Gott gewollt, geschaffen und geliebt ist: Keine Sünde, kein Versagen, keine Demütigung, kein Ausschluss kann den grundlegenden Wert eines menschlichen Lebens schmälern, das Gott gewollt und ins Dasein gerufen hat. 

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