Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV. :
Um diese Fragen zu beantworten und zu erkennen, wie wir verantwortungsvoll im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz leben können, möchte ich an zwei biblische Bilder erinnern: den Turmbau zu Babel (vgl. Gen 11,1-9) und den Wiederaufbau der Mauern Jerusalems (vgl. Neh 2-6). Im Buch Genesis steht die Erzählung von Babel am Anfang der Menschheitsgeschichte, unmittelbar nach den Stammbäumen der Söhne Noachs. Nachdem sich die Menschen in der Ebene von Schinar niedergelassen hatten, beschlossen sie, eine Stadt und einen Turm zu bauen, »mit einer Spitze bis in den Himmel« (Gen 11,4). Da sie fürchten, über die Erde zerstreut zu werden, wollen sie sich Stabilität und Macht sichern und sich vor allem „einen Namen machen“. Das Unterfangen erscheint beeindruckend: eine einzige Sprache, eine einzige Technologie, eine einzige Richtung. Doch das Projekt verbirgt eine tiefgreifende Gefahr: Es ist ein Werk, das ohne Bezug zu Gott konzipiert worden ist, gestützt auf eine Einheitlichkeit, die Vielfalt ausschließt und sich statt für Gemeinschaft für Vereinheitlichung entscheidet. Wenn die Stadt auf dem Fundament des Stolzes und anmaßender Selbstgenügsamkeit erbaut wird, bricht die Kommunikation zusammen, die Sprachen vermischen sich und die Menschen verstehen einander nicht mehr.
Das Ergebnis ist nicht Einheit, sondern Zerstreuung. Babel offenbart somit die Grenzen eines jeden noch so grandios anmutenden Gebildes, das aus der Verabsolutierung des Menschen und aus seiner anmaßenden Autarkie entsteht, das die Würde der Menschen der Effizienz opfert und danach strebt, den Himmel ohne den Segen Gottes zu erreichen.
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