TEMPORA MUTANTUR ET NOS MUTAMUR IN ILLIS

Geschrieben am 18.09.2020
von Joachim Heisel


Tempora mutantur et nos mutamur in illis. Dieser Spruch des römischen Schriftstellers Ovid (43 v.Chr.-17 n. Chr.) drückt eine allgemeine menschliche Erfahrung aus: Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen.

Vor einem Jahr hatten wir noch keine Ahnung, was sich alles bei uns ändern würde. Mittlerweile wissen wir, dass  sich seitdem vieles geändert hat. Aber es ist nicht alles schlecht daran. Wir haben erfahren, dass wir Gemeinschaft brauchen, und dass wir mehr voneinander abhängig sind als wir bisher gedacht haben. Auch vorher wussten wir nicht, was morgen kommt, aber jetzt scheint alles noch unsicherer. Corona hat uns verändert. Corona hat uns auch gestärkt. Wir haben erfahren, dass wir eine Schicksalsgemeinschaft sind. Wir haben die Krise gemeinsam an  den Hörnern gepackt und Solidarität gespürt. Wir haben gelernt, mit der Krise umzugehen. Als Christen dürfen wir von einer Heimsuchung sprechen,  die uns zum Nachdenken bringen kann und uns zur Hinterfragung unseres bisherigen Lebensstils auffordert. Vielleicht haben wir uns zu sehr abhängig gemacht von den vielen Möglichkeiten unserer technischen Zivilisation. Das müssen wir nun teilweise hinterfragen.

Die Einschränkungen haben uns bittere Erfahrungen gebracht, die wir so nicht geahnt haben: Familien mussten zusehen, wie Angehörige starben ohne ihren persönlichen Beistand und ohne die tröstende Nähe von Kirche und  Sakramenten. Viele Menschen haben ihre Existenz eingebüßt durch die radikalen Maßnahmen des Lockdown. Eltern und Kinder haben drangvolle Wochen durchlebt und die Jugendlichen Zeit der Ausbildung verloren. Ob dies alles wirklich angemessen war, mag man im Nachhinein bezweifeln. Sicher entsprach vieles einer diffusen Angst vor der Unberechenbarkeit des Virus, die ja eine reale Gefahr ist. Unsere Sicherheit, so schnell nicht krank zu werden, ist erschüttert worden und hat uns durchlässiger für Angst gemacht. Das Damoklesschwert neuer Einschränkungen wird weiter über uns sein.

Niemand kann wissen, wann der Albtraum zu Ende ist. Wir können nur hoffen und beten. Gott kann auch aus negativen Dingen Gutes machen. Covid 19 kann eine Läuterung sein, die uns darauf hinweist, dass unser Leben auf dieser Erde nicht unsere Endstation ist, sondern dass nach dem Tod ein ewiges Leben auf uns wartet. Wir vergessen das manchmal, weil dieses Leben auf der Erde uns ganz in Anspruch nimmt und wir den Glauben an ein Leben danach verloren haben. Wir haben uns hier gut eingerichtet, aber wir wissen nicht, ob unsere Hütte, die wir uns eingerichtet haben, Bestand hat.

Dazu sagt der heilige Paulus im ersten Korintherbrief (1Kor 3,10-17)) : Gemäß der Gnade Gottes, die mir verliehen wurde, habe ich als weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf weiter baut. Denn einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.  Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird eines jeden Werk offenbar werden; denn der Tag wird es erweisen, weil er sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer zeigen. Wenn jemandes Werk, das er darauf baute, Bestand haben wird, so wird er Lohn empfangen. Wenn aber jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, jedoch so wie durch Feuer hindurch. 

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