GEMEINSAM UNTERWEGS

Geschrieben am 23.01.2021
von Joachim Heisel



Seit Jahren empfängt Papst Franziskus zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen (18.-25.1.21), so auch am letzen Freitag im Vatikan eine Delegation der finnischen Lutheraner.

In seiner Ansprache sagte er:

"Als getaufte Christen glauben wir, dass Christus uns in eben jenen Menschen begegnen will, die im Leben buchstäblich oder im übertragenen Sinne Schiffbruch erlitten haben". Der Papst erläuterte dann  vor allem auch die Bedeutung der Taufe, die alle Christen  nicht nur das gemeinsame Beten, sondern auch das gemeinsame Handeln vereine.

Im Hinblick auf die Migranten sagte Papst Franziskus: „Diejenigen, die Gastfreundschaft anbieten, werden nicht ärmer, sondern reicher“, denn wer etwas von sich gebe, der empfange auch etwas. „Tatsächlich lässt uns die Menschlichkeit, die wir anderen zeigen, auf geheimnisvolle Weise an der Güte Gottes teilhaben, der Mensch geworden ist“.

Die finnischen Freunde, wie er sie nannte, bat er, „als Boten der Menschheit, als Empfänger der Güte des fleischgewordenen Gottes“ zu handeln. Alle Christen seien „gemeinsam in der Gemeinschaft aller Getauften unterwegs“. Denn Christen könnten für ihre Taufe gemeinsam dankbar sein.

„Diese Dankbarkeit verbindet und erweitert unsere Herzen, öffnet sie für unseren Nächsten, der kein Gegner ist, sondern unser geliebter Bruder, unsere geliebte Schwester. Die Gemeinschaft aller Getauften ist kein bloßes ,Nebeneinander-Stehen´ und schon gar nicht ein ,Gegeneinander-Stehen´, sondern will ein immer tieferes ,Miteinander-Stehen´ werden.“

Weiter sagte der Papst abschliessend zu seinen Freunden aus Finnland: „Möge dieses Zusammensein in Finnland weiter wachsen, sich entwickeln und Früchte tragen. Damit dies geschieht, bete ich zu Gott, dass er Ihnen seine Gnade und seinen Segen in Fülle gewährt. Bitte beten Sie auch für mich“, schloss Franziskus seine Rede.

An dieser Rede des Heiligen Vaters lässt sich beispielhaft erkennen, wie die im 2. Vatikanischen Konzil (1963-1965) geforderte ökumenische Bewegung in der Zeit nach dem Konzil bereits das Klima und das Verständnis zwischen den christlichen Konfessionen verbessert hat.

Im Punkt 4 des Dekrets über die Ökumene heißt es:

Unter der "Ökumenischen Bewegung'' versteht man Tätigkeiten und Unternehmungen, die je nach den verschiedenartigen Bedürfnissen der Kirche und nach Möglichkeit der Zeitverhältnisse zur Förderung der Einheit der Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind. Dazu gehört: Zunächst alles Bemühen zur Ausmerzung aller Worte, Urteile und Taten, die der Lage der getrennten Brüder nach Gerechtigkeit und Wahrheit nicht entsprechen und dadurch die gegenseitigen Beziehungen mit ihnen erschweren; ferner der "Dialog", der bei Zusammenkünften der Christen aus verschiedenen Kirchen oder Gemeinschaften, die vom Geist der Frömmigkeit bestimmt sind, von wohlunterrichteten Sachverständigen geführt wird, wobei ein jeder die Lehre seiner Gemeinschaft tiefer und genauer erklärt, so dass das Charakteristische daran deutlich hervortritt.

Durch diesen Dialog erwerben alle eine bessere Kenntnis der Lehre und des Lebens jeder von beiden Gemeinschaften und eine gerechtere Würdigung derselben. Von hier aus gelangen diese Gemeinschaften auch zu einer stärkeren Zusammenarbeit in den Aufgaben des Gemeinwohls, die jedes christliche Gewissen fordert, und sie kommen, wo es angebracht ist, zum gemeinsamen Gebet zusammen. Schließlich prüfen hierbei alle ihre Treue gegenüber dem Willen Christi hinsichtlich der Kirche und gehen tatkräftig ans Werk der notwendigen Erneuerung und Reform.

Vieles, was in diesem Dokument erwähnt ist, gehört mittlerweile zum selbstverständlichen Stil unter Christen verschiedener Konfession.

Quellen: Vatican News; Rahner/Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium, Herder-Verlag

Nächster Blogeintrag am 27.1.21