PATRIS CORDE-HANDICAP UND VORSEHUNG

Geschrieben am 06.02.2021
von Joachim Heisel


Jetzt ist er mit 100 Jahren in einem Krankenhaus in Ostengland an Covid-19 verstorben, Tom Moore, englischer WK II -Veteran. Er hat  mit seinem Rollator im Hof seines Altenheims Runde um Runde vor den Augen der Weltöffentlichkeit gedreht, um Geld für die Bekämpfung der Pandemie zu sammeln. Am Schluss kamen 37 Mio. Euro zusammen. Dafür wurde er mit seinen hundert Jahren von der 94 - jährigen  Queen Elizabeth noch zum Ritter geschlagen. Sein scherzhafter Kommentar dazu: „Hoffentlich rutscht Ihrer Majestät dabei nicht das Schwert aus…“ Sein Rollator, sein Handicap, wurde zum Instrument eines spektakulären Erfolgs.

Man spricht heute viel von Resilienz als Ressource für gelingendes Leben, d.h. aus Krisen oder widrigen Umständen etwas Positives zu machen. Tom Moore war ein solcher Mensch, der das vor aller Welt gezeigt hat, ein rundum bewundernswerter Mensch!

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben Patris Corde (deutsch: mit dem Herzen eines Vaters)  ein Bild des heiligen Josef, des Zimmermanns aus Nazareth, dem Mann Marias und  Adoptiv-Vaters Jesu gezeichnet, das auch  ihn als resiliente Persönlichkeit zeigt: „Er versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut“., schreibt der Papst. Dabei verhält sich der heilige Josef aber keineswegs bloß passiv. So schildert es Papst Franziskus im Absatz 5 seines   Schreibens  „Vater mit kreativem Mut“:

Beim Lesen der „Kindheitsevangelien“ stellt sich des Öfteren die Frage, warum Gott nicht direkt und klar eingeschritten ist. Aber Gott wirkt durch Ereignisse und Menschen. Josef ist der Mann, durch den Gott für die Anfänge der Erlösungsgeschichte Sorge trägt. Er ist das wahre „Wunder“, durch das Gott das Kind und seine Mutter rettet. Der Himmel greift ein, indem er auf den kreativen Mut dieses Mannes vertraut, der, als er bei der Ankunft in Betlehem keinen Ort findet, wo Maria gebären kann, einen Stall herrichtet und so bereitet, dass er für den in die Welt kommenden Sohn Gottes ein möglichst behaglicher Ort wird (vgl. Lk 2,6-7). Angesichts der drohenden Gefahr des Herodes, der das Kind töten will, wird Josef im Traum erneut gewarnt, das Kind zu beschützen, und so organisiert er mitten in der Nacht die Flucht nach Ägypten (vgl. Mt 2,13-14).

Bei einer oberflächlichen Lektüre dieser Geschichten hat man immer den Eindruck, dass die Welt den Starken und Mächtigen ausgeliefert ist, aber die „gute Nachricht“ des Evangeliums besteht darin zu zeigen, wie Gott trotz der Arroganz und Gewalt der irdischen Herrscher immer einen Weg findet, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Auch unser Leben scheint manchmal starken Mächten ausgeliefert zu sein. Doch das Evangelium sagt uns, dass es Gott immer gelingt, das zu retten, worauf es ankommt, vorausgesetzt, dass wir den gleichen kreativen Mut aufbringen wie der Zimmermann von Nazaret. Er versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut…

Das Evangelium gibt keine Auskunft über die Zeit, in der sich Maria und Josef und das Kind in Ägypten aufhielten. Sicherlich aber mussten sie essen, eine Bleibe und Arbeit finden. Es braucht nicht viel Phantasie, um das diesbezügliche Schweigen des Evangeliums zu füllen. Die Heilige Familie musste sich konkreten Problemen stellen, wie alle anderen Familien, wie viele unserer Brüder und Schwestern Migranten, die auch heute noch aufgrund von Not und Hunger gezwungen sind, ihr Leben zu riskieren. In diesem Sinne glaube ich, dass der heilige Josef in der Tat ein besonderer Schutzpatron für all jene ist, die wegen Krieg, Hass, Verfolgung und Elend ihr Land verlassen müssen…

Wenn Gott uns manchmal nicht zu helfen scheint, bedeutet das nicht, dass er uns im Stich gelassen hat, sondern dass er auf uns vertraut und auf das, was wir planen, entwickeln und finden können.

Quelle: Vatican News

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