TOTER PUNKT

Geschrieben am 19.06.2021
von Joachim Heisel


Die katholische Kirche ist an einem toten Punkt angelangt. Dieses Wort geht jetzt im Lande um.

Ein toter Punkt ist das Markenzeichen der Kirche: das Kreuz. Im Paradox des Kreuzes liegt die Faszination ihres Ursprungs. Das Kreuz ist Zeichen der Schande aber gleichzeitig Symbol der Überwindung von Tod und Leid, nämlich Erlösung. Mit dem Kreuz Christi haben Tod und Leid einen neuen Sinn erfahren, überhaupt erst einen Sinn.

Am Karfreitag war die Kirche an einem toten Punkt angelangt. Ihr Gründer Jesus war den Verbrechertod gestorben. Christus hatte zu Petrus gesagt: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen (Mt 16,18). Dieser „Fels“ Petrus war nach der Verhaftung Jesu wie die anderen Jünger geflohen. Und nicht nur das: Dieser Petrus leugnete drei Mal, Jesus überhaupt gekannt zu haben. Die Jünger hatten sich verstreut. Ihr Glaube an Jesus war auf einem Nullpunkt angekommen. Sie waren in einer tiefen Depression, die sogar noch nach der Auferstehung Jesu anhielt, denn noch immer hielten sie sich aus Furcht vor den Juden versteckt (Joh 20,19). Erst als Jesus ihnen mehrfach leibhaftig erschienen war, glaubten sie endlich an seine Worte über seine Auferstehung, wie er sie ihnen vorhergesagt hatte.

Vordergründig gesprochen hat Jesus sich die falschen Leute ausgesucht. Wo es darauf ankam, haben sie versagt. Und doch hat er nach seiner Auferstehung den Petrus am See Tiberias drei Mal feierlich in seinem Leitungsamt bestätigt. Er hat ihn und die anderen Jünger noch nicht einmal getadelt, sondern er sagte zu ihnen: „Der Friede sei mit euch (vgl. Joh 20,26)."

In Anspielung auf seine dreimalige Verleumdung fragte er dann den  Petrus drei Mal: „Liebst Du mich?“ Und als er Petrus zum dritten Mal fragte, wurde dieser traurig und sagte zu Jesus: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe." Daraufhin sagte Jesus:  Weide meine Schafe   (Joh 21,15-17).

Im Laufe ihrer Geschichte war die Kirche schon oft an einem toten Punkt angelangt, z.B. in den Wirren der Völkerwanderung (375-568 n. Chr.) oder um das Jahr 1000 n. Chr., wo viele Menschen auf Grund der Wirren in Kirche und Welt mit Weltuntergang rechneten, dann in der  Zeit der Reformation und in der  Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wo als Folge der Französischen Revolution auch in Bayern das kirchliche Leben weitgehend erloschen war, Kirchen abgerissen, Klöster aufgelöst wurden und die verbliebenen Ordensleute in sogenannte Aussterbeklöster gesteckt wurden. Aber jedes Mal hat die Kirche nicht nur überlebt sondern aus ihrer inneren Kraft heraus neue Vitalität geschöpft, denn Christus hat seinen Jüngern und damit auch uns eine Verheißung mit auf den Weg gegeben: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20).“

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