ES IST KRIEG

Geschrieben am 30.03.2022
von Joachim Heisel


Seit dem 24.Februar 2022 ist wieder Krieg in Europa. Meine neunzigjährige   Tante sagte mir, dass sie auf die Nachricht hin drei Nächte lang nicht schlafen konnte. Die Erinnerungen an den Krieg, den sie als Kind erlebt hatte, kamen in ihr wieder hoch. Sie war die Jüngste von sieben Geschwistern und musste die Kriegszeit mit Bombenalarmen und Luftangriffen zusammen mit ihren Eltern erleben. Zwei ältere Brüder sind im Krieg gefallen. Sie hatte mir erzählt, welche Ängste sie ausgestanden hatte, wenn sie zusammen mit dem Vater in den Luftschutzbunker lief, während die Mutter zuhause blieb. Die Kriegsweihnachten hatte sie in trauriger Erinnerung, weil die Sorge ihrer Eltern  um ihre vier Söhne an der Front keine Weihnachtsstimmung aufkommen ließ.

Eine Jugendfreundin aus Trier erzählte mir vom Schicksal ihrer Familie im Ersten Weltkrieg. Der Mann ihrer Großmutter war 1914 im Krieg gefallen und ihre Großmutter stand mit drei kleinen Kindern ohne Unterstützung im Leben. Sie musste arbeiten gehen und die Kinder allein zuhause lassen „mit einem Pisspott in der Küche und einem Pott Wasser“ und der älteste kleine Sohn musste im Alter von 10 Jahren auf seine Geschwister aufpassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Familie in der Nagelstrasse in Trier im Zentrum der Stadt ausgebombt wie man das damals nannte, wenn Wohnung, Einrichtung und Hausrat bei einem Bombenangriff vernichtet wurde. Lediglich die Puppe meiner Freundin im Keller der Großmutter hatte „überlebt“.

Die Menschen bei uns, die noch den letzten Krieg erlebt haben und sei es nur als Kinder, wissen, was das jetzt für die armen Menschen in der Ukraine bedeutet und ähnlich wie damals ist es im wesentlichen der Wille eines einzelnen  Menschen , der dieses millionenfache Leid verursacht.

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