Ehe ist eine Berufung zur Liebe, zum Fortschreiten in der Liebe, selbst dann wenn es schwierig wird. Es gilt für die Ehe das Gleiche, was der heilige Augustinus im Bezug auf den Weg zu Gott gesagt hat: Jedes Stillstehen bedeutet Rückschritt.
Jede Liebe zu einem Menschen muss gleichzeitig dynamisch und unverrückbar sein. Die Lebendigkeit soll sich nicht in neuer Partnersuche äußern, wenn Gefühle erkalten, sondern in der Suche nach dem Kern in dieser Beziehung. Denn beide sind gemeinsam auf dem Wege und sollen sich lieben, wie sie jetzt sind, und nicht einen Traumpartner wie er in der Zeit des ersten Verliebtseins gesehen wurde, sondern den realen Menschen, wie er nun einmal ist oder auch geworden ist, vollkommen oder erst auf dem Wege dahin, genau wie wir selbst, verbunden durch das gemeinsame Band der Gotteskindschaft und Gottesebenbildlichkeit.
Jeder Mann und jede Frau läuft mit einem Wunschbild von einem Ehepartner durch die Welt. Die Phase des Verliebtseins ist auch dadurch charakterisiert, dass man in den Partner eigene Vorstellungen projiziert, die der Realität des andern nicht entsprechen. Die Beziehung muss erst noch reifen bis der Ehepartner so gesehen und akzeptiert wird, wie er wirklich ist. Geschieht das nicht, kann es geschehen, dass eine immer größere Distanz wächst, wenn der Partner eigenen Wünschen nicht mehr entspricht.
Auch ist eine Beziehung gefährdet, die dem anderen keinen Freiraum lässt und im Laufe der Zeit der gegenseitige Respekt vor der Freiheit des anderen und der Wille zur Vergebung nicht immer mehr wachsen.
Auch gemeinsam durchgestandene Krisen können dazu beitragen, sich selbst und den anderen besser kennen zu lernen. Ich habe auch öfters erlebt, dass Ehepaare nach zeitweilger Entfremdung in der Lebensmitte im Alter froh waren, dass sie später wieder zueinander gefunden haben.
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