LERNE NUR DAS GLÜCK ERGREIFEN

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sagt in einem seiner Gedichte: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da." Goethe war zwar bis nach Italien gereist und hat dort das Sehnsuchtsland der Deutschen gesucht, „das Land, wo die Zitronen blühen“, aber den größten Teil seines Lebens hat er in kleinen Stadt Weimar verbracht, wo er viel Zeit Studien der Natur gewidmet hat. Aus dieser Beobachtung hat er große Inspiration für sein dichterisches Schaffen und für ein Leben mit der Natur gefunden.

J Joachim Heisel

NUR FÜR HEUTE

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

J Joachim Heisel

IM ANFANG WAR DAS SPIEL

In Zeiten der Muße wie in Urlaub und Ferien sollten wir das Spiel nicht vergessen. Nach dem Schauen ist es auch das Spiel, was uns in Erholung und Freizeit viel Freude macht. Im Alten Testament, im Buch der Sprüche (8,22-31) heißt es in einem sehr poetischen Text, den wir auf den Menschen als spielendes Kind vor seinem Schöpfer (lateinisch homo ludens) beziehen können:

J Joachim Heisel

MORGENSTUND HAT GOLD IM MUND

Wie beginnen wir den Tag? Ich kannte eine Patientin, die jeden Tag morgens ans Fenster trat und sich bei der Sonne bedankte, dass sie wieder aufgegangen war.

J Joachim Heisel

DAS LIED VON DER KLEINEN BLUME - STARK WIE DER TOD IST DIE LIEBE (Hohes Lied 8,6)

Am Rande einer großen Asphaltstraße lebte eine kleine Blume. Um sie herum waren viele hohe Häuser aus Beton, in denen die Menschen wohnen. Auf der großen Strasse fuhren den ganzen Tag über die schnellen Autos der Menschen. An besonders heißen Tagen war die kleine Blume von der Blüte bis zu dem Stiel und den Blättern über und über mit dem Staub bedeckt, den die Autos aufwirbelten. Morgens kamen die Menschen aus den Häusern heraus und am Abend gingen sie wieder hinein. Die Menschen eilten so schnell an ihr vorüber, dass keiner die kleine Blume bemerkte, denn niemand hatte Zeit, die kleine Blume zu betrachten. Manchmal war die kleine Blume traurig darüber und dachte bei sich: Warum soll ich überhaupt noch weiter blühen, wenn ja doch niemand mich anschaut und sich an mir freut. So verging ein Tag nach dem andern. Die Menschen liefen weiter an ihr vorüber. Ihre großen Autos fuhren tagaus und tagein auf der großen Straße und machten der kleinen Blume mit ihrem Lärm große…

J Joachim Heisel

BETEN

Beten ist Gespräch mit Gott. Jedes Gespräch und jede Beziehung lebt vom Austausch. Als ich einmal mit der Frau eines Freundes sprach, sagte sie mir, dass ihr Mann nach einem Streit tagelang nicht mehr mit ihr sprach. Das hat diese Beziehung natürlich sehr belastet. Wenn das ein Dauerzustand wird, dann hat eine solche Beziehung keine Zukunft. Bei vielen gescheiterten Ehen wird auch oft berichtet, dass sich die Eheleute nicht mehr zugehört haben.

J Joachim Heisel

SELIG DIE ARMEN IM GEISTE

Vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu als Prophet des kommenden Gottesreiches berichten uns die Apostel Matthäus und Lukas. .Nach dem Sprachgebrauch des Neuen Testaments ist hierbei Gottesreich gleichbedeutend mit Himmelreich (griech. Basileia thou theou) Es ist die sogenannte Bergpredigt, die gewissermaßen das „Regierungsprogramm“ des kommenden Reiches Gottes darstellt (Mt 5,3-12 ; Lk 6, 20 – 25).:

J Joachim Heisel

UNSERE ANGST

Angst ist zunächst einmal ein negativ besetztes Gefühl. Aber Angst warnt uns auch vor Gefahr. Wir haben Angst davor, über die Strasse zu gehen, ohne vorher nach links und rechts zu schauen. Und wir halten unsere Kinder dazu an, es zu tun. Wir tragen jetzt Gesichtsmasken und halten voneinander Abstand aus Angst vor Ansteckung.

J Joachim Heisel

LOCKERUNGEN

Freiwillig gezwungen haben wir uns von Corona fesseln lassen müssen. Wir haben in der Zeit Gehorsam und Verzicht gelernt, aber dürfen jetzt Freuden erleben, die wir sonst nicht gehabt hätten. Motto: Gehabte Schmerzen hab ich gern (Wilhelm Busch 1832-1908). Noch stehen wir auf nicht absehbare Zeit weiter unter den Corona-Gesetzen, die aber u.U. vor allem lokal wieder verschärft werden können. Aber der Mensch lebt vom Gegensatz. Wenn es ein paar Tage geregnet hat, freut er sich, wenn endlich wieder die Sonne scheint. In einem heißen Sommer führen ein paar kühlere Tage zu Freude und Erleichterung. So ist es auch mit den Lockerungen nach den Corona-Beschränkungen. Wir freuen uns über einen Besuch im Biergarten oder im Museum, weil er lange Zeit nicht möglich war. Jetzt genießen wir es, dass das soziale Leben wieder in Schwung kommt, denn es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist (Gn 2,18). Besuche und Treffen sind auch in größerem Rahmen wieder möglich. Es…

J Joachim Heisel

HERZ ZEIGEN

Heute feiert die Kirche das Fest des Herzens Jesu. In der christlichen Mystik spielt das Herz Jesu eine besondere Rolle. Im Evangelium des Johannes heißt es nach dem Tod Jesu am Kreuz: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser daraus. Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt (Joh 19,32-35)“. - Der dies bezeugt, der Apostel Johannes, ist der gleiche, der beim Abschiedsmahl Jesu an seiner Seite ruhte und seinem Herzen nahe stand. Leonardo da Vinci (1452-1519) hat diese Szene in seinem weltberühmten Gemälde im Kloster Santa Maria delle Grazie in Mailand aus dem Jahr 1495 so bewegend dargestellt und Andy Warhol hat es in die moderne Pop-Kultur übersetzt .

J Joachim Heisel

BLINDER FLECK

Im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd ist viel die Rede gewesen von Trauer und Wut. Trauer, auch öffentliche Trauer und Empörung ist sicher die richtige Antwort aber Wut hat etwas Zerstörerisches, Unkontrolliertes, dem Hass nahe. Dank dem Appell von George Floyds Bruder an die Demonstranten haben gewaltsame Ausschreitungen und blinde Wut nicht noch mehr Unheil angerichtet. Eine solch weltweite Trauer wie jetzt gab es in den USA und in der ganzen Welt nur beim gewaltsamen Tod von Martin Luther King 1929-1968) und J:F. Kennedy.

J Joachim Heisel

DURCH DIE STRASSEN DES VIERTELS

Dieser Tage sind mir bei einem Gang durch die Strassen des Viertels, wo ich 34 Jahre als Hausarzt tätig war, die vielen Menschen mit ihren Schicksalen in Erinnerung gekommen, die all die Jahre meine Patienten waren. Sie sind Teil meiner Biografie geworden und ich selber bei vielen über all die Jahre auch Teil ihres Lebens. Wenn ich an den Häusern vorbeigehe, fallen mir ihre Geschichten wieder ein, manchmal traurige aber auch erbauliche und lustige Geschichten. So kam eines Tages eine Patientin in die Sprechstunde, weil sie glaubte, in der Nacht wäre eine Maus ihr in den offenen Mund gelaufen (ins Moi glaffen). Als ich ihr dann vorschlug, mittels einer Gastroskopie nach der Maus zu suchen, war sie nicht einverstanden und meinte, vielleicht habe sie doch nur geträumt. Es gab Menschen, die ihr Schicksal bewundernswert gemeistert haben. Viele haben sich für ihre Angehörigen aufgeopfert, um ihnen in Krankheit und Alter beizustehen. Ich erinnere mich auch an ein Ehepaar, die ein Kind…

J Joachim Heisel

DER GEIST GOTTES

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand (Weish 1,7)

J Joachim Heisel

NEUVERMESSUNG DER HEIMAT

Christi Himmelfahrt, Vatertag, Starnberger See, Kempfenhausen, Menschen am Seestrand, die die Sonne genießen, Auszeit von Corona, am Horizont die Berge. Es gibt sie noch und wir dürfen sie sehen und uns des Lebens freuen. Am Einlass zum Parkplatz wird nicht wie sonst Geld kassiert. Vielleicht weil der Kassierer keinen Abstand halten kann, eine günstige Nebenwirkung von Corona? Der Parkplatz ist voll. Gott sei dank fährt gerade jemand weg. Auf der Liegewiese ist auch bei einem Abstand von 1,5 m noch viel Platz frei. Man merkt es den Menschen an, dass sie es genießen, draußen zu sein aber irgendwie ist die Freude gedämpft als könnte etwas passieren. Wie eine Glocke liegt Corona über der Frühlingsstimmung: 1,5 Meter Abstand oder besser noch zwei Meter! Paare halten sich wie zum Trotz fest umschlungen. Hier wird die Abstandsregel außer Kraft gesetzt, Gott sei Dank keine Kontrolle. Ein kleines etwa fünfjähriges Mädchen schreit dauernd: „Es gibt Regen“ und lässt sich nicht…

J Joachim Heisel

MIT GEBROCHENEM HERZEN

Zum 75.Jahrestag des Kriegsendes hat unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine bewegende Rede gehalten. Er sprach davon, dass wir Deutschen unser Land nur mit „gebrochenem Herzen“ lieben könnten. Das ist angesichts der deutschen Vergangenheit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Haltung, die sicher dem Empfinden vieler Menschen in unserem Land entspricht. Obwohl die weitaus größte Mehrheit der Menschen, die jetzt in diesem Land leben, diese Zeit nicht mehr bewusst erlebt haben und deshalb auch keine direkte Verantwortung für das tragen, was damals geschehen ist, muss uns doch die Erinnerung daran mit Trauer und Scham erfüllen. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) sagte 1952 im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo während des Nazi-Regimes viele tausend Menschen ermordet wurden: „Und dies ist unsere Scham, dass sich solches im Raume der Volksgeschichte vollzog, aus der Lessing und Kant, Goethe und Schiller in das Weltbewußtsein traten.…

J Joachim Heisel

ALS DAS ENDE DER ANFANG WAR

In einer weltweiten Krisensituation mag ein Rückblick erlaubt sein, nicht als Vergleich sondern als Erinnerung wie es damals war, in der Zeit nach dem Krieg - vor 75 Jahren. An einiges kann ich mich aus der Perspektive des Kindes, das ich damals war, noch erinnern, zum Beispiel dass viele meiner Klassenkameraden ihren Vater nie gekannt haben, weil sie noch in den letzten Monaten und Tagen des Kriegs gefallen waren. Von einigen kehrten die Väter erst nach Jahren zurück, der Vater einer Klassenkameradin erst 1955 aus der Sowjetunion. Auf den Strassen und in der unmittelbaren Nachbarschaft sah man viele Kriegsversehrte, denen ein Arm oder ein Bein fehlte oder die andere Kriegsverletzungen erlitten hatten. In unserer Straße wohnte ein Mann, der kriegsblind war, und dessen Frau die Witwe seines gefallenen Kriegskameraden war. In der Stadt gab es nur zwei Psychiater. Ich frage ich mich heute, wie die Menschen damals all dieses Leid bewältigt haben.

J Joachim Heisel

NÄHE MIT ABSTAND

In der gegenwärtigen Situation wird uns ein Maß vorgegeben. Wenn wir es nicht einhalten, droht Bußgeld. Die Experten haben es festgelegt: Eineinhalb Meter müssen wir uns den Nächsten vom Leib halten, damit er uns nicht mit seinem Coronavirus anstecken kann und wir selber ihn auch nicht. „Seid umschlungen Millionen“ wie es im Lied an die Freude von Friedrich Schiller, jetzt Europa-Hymne – heißt, ist jetzt gefährlich!

J Joachim Heisel

ET HET NOCH EMMER ALLES JOT JEJANGEN

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dieser Spruch ist mir von Kind auf vertraut, denn er hing an der Wand in der Küche meiner Mutter. Humor ist der Schwimmgürtel des Lebens lautet ein anderer Spruch, den ein Freund sich über die Tür schrieb. Humor schafft Distanz zu belastenden Ereignissen und schwierigen Situationen und entschärft sie. Wir haben jetzt in Zusammenhang mit der Krise viele Beispiele, wie Menschen zum Teil mit Überzeichnung und lustigen Einfällen den Ernst der Situation für einen Augenblick durchbrechen.

D Dr. Joachim Heisel

TRAU-SCHAU WEM

Trau – schau wem. Dieser Rat der Volksweisheit weist uns die Richtung, wenn wir über Vertrauen sprechen. Man spricht ja auch davon, dass man jemandem nicht über den Weg trauen kann. Man würde z.B. mit dieser Person nicht gern im nächtlichen Wald spazieren gehen oder mit ihm ein Geschäft abschließen. Vertrauen ist fundamental in unserem Leben. Im Alltag muss ich ständig auf „Treu und Glauben“ handeln. Wenn ich in ein Taxi steige, vertraue ich darauf, dass der Fahrer einen Führerschein hat und mich gut an mein Ziel bringt. Wenn ich bei Grün über die Kreuzung gehe, vertraue ich darauf, dass die Ampel richtig geschaltet ist. Auf Schritt und Tritt bin ich auf Vertrauen angewiesen.

D Dr. Joachim Heisel

NAHTSTELLE

Für einen Arzt ist es immer wieder eine schwierige und menschlich belastende Situation, wenn er Patienten behandeln soll, für die es keine Heilung mehr gibt. Als ich auf einer hämatologisch-onkologischen Station gearbeitet habe, hatte ich solche Patienten. Ihre größte Hoffnung war der nächste Therapie-Stoß oder das Wochenende zuhause bei ihrer Familie. Wie sehr wünschte man sich in solchen Augenblicken, diesen Patienten helfen zu können. Das sind Momente, wo der Arzt trotz aller Fortschritte in der Medizin seine Ohnmacht zu spüren bekommt. Hier fängt der Bereich an, wo die Hoffnungen dieser Welt verblassen.

J Joachim Heisel

AM GEDULDSFADEN

In meiner Heimatstadt Trier gibt es mitten in der Stadt auf dem Hauptmarkt einen Brunnen, den der Magistrat im Jahr 1594 errichten ließ und auf dessen Mittelsäule vier allegorische Frauenfiguren dargestellt sind, die die vier Grund- oder Kardinaltugenden versinnbildlichen: Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Maß.

J Joachim Heisel