TRAUMBILD

Ehe ist eine Berufung zur Liebe, zum Fortschreiten in der Liebe, selbst dann wenn es schwierig wird. Es gilt für die Ehe das Gleiche, was der heilige Augustinus im Bezug auf den Weg zu Gott gesagt hat: Jedes Stillstehen bedeutet Rückschritt.

J Joachim Heisel

ACHATE

Achate sind von außen roh und unansehnlich. Wenn man sie spaltet, sind sie leuchtend und funkelnd in allen Farben. Unser Alltag kommt uns auch manchmal grau und unansehnlich vor. Erst wenn das Licht der Hoffnung darauf fällt, können wir Positives und neue Perspektiven in ihm entdecken. Durch Christus kann die Hoffnung in unser Leben eines jeden Tages Einzug halten.

J Joachim Heisel

GÜTE

Güte sieht im andern das Gute. Sie ist mit der Weisheit verbunden, die um die letzten Zusammenhänge des Seins weiß und danach ihr Tun richtet. Dem gütigen Menschen prägen sich im Laufe der Jahre die Züge seiner gütigen Haltung auf. Es gibt Menschen, von denen wir sagen, sie haben ein gütiges Gesicht. Der gütige Mensch ist tief davon überzeugt, dass auf dem Grund der Seele eines jeden Menschen das Gute weiterlebt, weil die Seele des Menschen aus den Hän-den Gottes hervorgegangen ist und wieder zu ihm zurückkehrt, wenn sie die göttliche Flamme in ihrem innersten Heiligtum nicht ganz zum Verlöschen bringt.

J Joachim Heisel

WARTESCHLEIFE

Es gibt so viele Leerzeiten in unserem Leben, dass man daraus fast ein zweites zusammensetzen könnte. Nehmen wir an, wir hängen in der Warteschleife bei der Bank oder der Stadtverwaltung. Wir können uns ärgern über die Zeit die wir dabei vertun. Wir können aber auch an etwas Schönes denken; zum Beispiel an unseren letzten Ausflug aufs Land, wo wir den blauen Himmel und die grünen Wiesen in ihrer ganzen Pracht gesehen haben oder auch an das schöne Konzert von vorgestern. Wir können überlegen, was wir heute noch zu tun haben und uns dazu Notizen machen, alles Möglichkeiten, diese leere Zeit zu füllen und uns nicht zu ärgern.

J Joachim Heisel

HÖREN UND SPRECHEN

Gestörter Dialog als Ausdruck von gestörten und gefährdeten Beziehungen findet in alltäglichen Äußerungen seinen Ausdruck. Man sagt: Sie reden nicht mehr miteinander. Sie schauen sich nicht mehr an. Sie haben sich nichts mehr zu sagen . Sie reden aneinander vorbei. Sie sprechen zwei verschiedene Sprachen. Er oder sie hört mir nicht mehr zu.

J Joachim Heisel

KÖNIG DAVID

Was geht da verloren, wenn wir nur noch von Schuld sprechen? Schuld steht da wie ein dunkles Monument, unverrückbar wie die Stelen des Holocaust- Mahnmals in der Nähe des Reichstags in Berlin.

J Joachim Heisel

AGENDA 2026

Würden wir uns heute auf den Marienplatz in München stellen und würden wir die Menschen fragen, was sie sich für das Jahr 2026 wünschen, bekämen wir wohl zur Antwort: An erster Stelle Gesundheit, dann dass es der Familie gut geht, und dann Frieden angesichts von so viel Krieg in Europa und in der Welt.

J Joachim Heisel

WEINEN

Wenn die Hilflosigkeit anderer unser Herz berührt, wenn der Schmerz anderer unsere felsenfesten Überzeugungen zum Einsturz bringt, dann beginnt schon der Friede. Der Friede Gottes entsteht aus einem Schrei, der wahrgenommenen wird, aus einem Weinen, das gehört wird: Er entsteht inmitten von Ruinen, die nach neuer Solidarität rufen, er entsteht aus Träumen und Visionen, die als Prophetien den Lauf der Geschichte wenden. Ja, all dies existiert, denn Jesus ist der Logos, der Sinn, aus dem alles entstanden ist. »Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist« (Joh 1,3). Dieses Geheimnis spricht zu uns aus den Weihnachtskrippen, die wir gebaut haben, es öffnet uns die Augen für eine Welt, in der das Wort noch immer »viele Male und auf vielerlei Weise« (vgl. Hebr 1,1) widerhallt und uns weiterhin zur Umkehr ruft.

J Joachim Heisel

KERZEN

Als ich aus Kälte und Dunkelheit nachhause komme, empfängt mich eine Kerze, die jemand im Fenster aufgestellt hat. Kerzen wärmen das Gemüt und ihrer Nähe fühlen wir uns wohl. Kerzen sind mit ihrer Flamme etwas Lebendiges, sind Bild des Lebens; indem sie leuchten, verzehren sie sich. Während Lampen vor allem dazu da sind, Licht zu geben, schaffen Kerzen einen Raum um sich soweit ihr flackernder Schein reicht.

J Joachim Heisel

IM WOHNZIMMER

Neulich konnte ich nochmals im alten Wohnzimmer meiner Eltern sitzen und ließ die Jahre und Menschen an mir vorüberziehen, die einmal hier gewesen sind. Meine Eltern hatten gerne Gäste. Es waren Freunde und Bekannte aus der Jugend - und Berufszeit meiner Eltern oder auch Menschen, die sie auf Reisen kennen gelernt hatten, Verwandte, Kunden meines Vaters, der Steuerberater war und der seine Kunden oft auch in Familien - und Erbschaftsangelegenheiten sowie persönlichen Schicksalsschlägen beraten und begleitet hat.

J Joachim Heisel

DER WERT DER ROSE

Der Dichter Rainer Maria Rilke kam mit einer jungen Französin regelmäßig um die Mittagszeit an einem Pariser Platz vorbei, wo eine Bettlerin teilnahmslos immer am gleichen Ort saß. Nur eine ausgestreckte Hand verriet ihre Bitte. Die Begleiterin Rilkes gab der Frau häufig eine Münze, Rilke selbst nie. Er sagte: „Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“

J Joachim Heisel

MIT GEFESSELTEN HÄNDEN

„Advent ist einmal eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst. Die Voraussetzung des erfüllten Advent ist der Verzicht auf die anmaßenden Gebärden und verführerischen Träume, mit denen und in denen sich der Mensch immer wieder etwas vormacht. Er zwingt so die Wirklichkeit, ihn mit Gewalt zu sich zu bringen, mit Gewalt und viel Not und Leid. Das erschütterte Erwachen gehört durchaus in den Gedanken und das Erlebnis des Advents. Aber zugleich gehört viel mehr dazu. Das erst macht ja die heimliche Seligkeit dieser Zeiten aus und zündet das innere Licht in den Herzen an, dass der Advent gesegnet ist mit den Verheißungen des Herrn. Die Erschütterung, das Aufwachen: damit fängt das Leben ja erst an, des Advents fähig zu werden.

J Joachim Heisel

KIND GOTTES

Max Horkheimer (1895 - 1973), ursprünglich Marxist der Frankfurter Schule, hat einmal gesagt: Brüderlichkeit, ohne einen gemeinsamen Vater ist bloßes Geschwätz. Als über 80-jähriger, sagte er auch: Wenn es keinen Vatergott gibt, warum soll ich dann gut sein? Tatsächlich, wenn wir uns nur als Produkte der Evolution fühlen, würde nach und nach der Kampf um die besten Weideplätze unser Leben bestimmen. Ein Teil davon können wir heute schon in der Gesellschaft beobachten.

J Joachim Heisel

FRÜHSTÜCKSEIER

Es gibt ihn, den Kampf um das Frühstücksei am Sonntag, das Paare und ganze Familien entzweien kann. Es fängt damit an, dass sich die ganze Erwartung des Sonntags auf ein gelungenes, weiches Frühstücksei konzentriert. Zunächst muss laut Expertenmeinung das richtige Ei gekauft worden sein, denn die allerdings etwas teureren Eier mit dünner Schale lassen sich besser schälen als Eier mit dicker Schal. Wer deshalb versehentlich oder um Geld zu sparen Eier mit dicker Schale gekauft hat, ist von vornherein schon auf der Verliererstraße.

J Joachim Heisel

FEUER

Das Lied der weißen Rose

J Joachim Heisel

AUF DER PALME

Es gibt Menschen, die uns permanent auf die Palme bringen. Kaum betreten sie den gemeinsamen Raum, gehen bei uns die Signallampen an, der Herzschlag wird schneller und wir vermeiden den Blickkontakt, um uns nicht seinen oder ihren negativen Bemerkungen oder Mienen auszusetzen. Je öfter sich das wiederholt, desto schwieriger wird es für uns, anders zu reagieren.

J Joachim Heisel

IMMER NUR CHATBOTS

Ist es Zufall, dass alles, worüber wir uns beklagen, die Gereiztheit auf den Straßen, der Sittenverfall im Netz, die Atomisierung der Gesellschaft, die schwindende Orientierung, die Hoffnungslosigkeit der Jugend, der Abstieg liberaler Demokratien, der Aufstieg autoritärer Staaten in dem Moment begonnen hat als unsere Kommunikation anfing, digital und in Echtzeit abzulaufen? Und warum bekommt man, wenn man ein Problem mit dem Handy oder einer Flugbuchung hat, eigentlich kaum noch einen echten Menschen an den Apparat? Warum muss man sich immer mit Chatbots auseinandersetzen, die einen falsch oder gar nicht verstehen? Warum kriegt man immer seltener einen Namen, eine Adresse, eine Nummer, an die man sich vertrauensvoll verwenden kann?… Wir sehen doch, dass das Netz die Menschen nicht zusammenführt, voneinander entfernt, dass die Solidarität nicht zunimmt, sondern schwindet, dass uns der Rhythmus und das richtige Maß abhandengekommen sind, aber keiner traut sich, etwas…

J Joachim Heisel

GRAUER HIMMEL

Wenn wir jetzt hinausgehen in die Natur können wir uns durchaus wie Waisenkinder fühlen, die aus dem Paradies in die Unwirtlichkeit der Natur hinausgestoßen wurden. Der Himmel ist grau, die Luft nieselig, und der Fluss fließt träge und grau dahin. Die Bäume sind ohne Laub und Blätter und stoßen ihre nackten Zweige in den grauen Himmel.

J Joachim Heisel

ADVENT

Am Sonntag ist der erste Advent mit Lichtergirlanden in den Straßen, glitzernden Schaufenstern und auf dem Marienplatz in München wie alle Jahre wieder der Christbaum und darunter die Buden des Weihnachtsmarkts mit Glühwein und allerlei Zutaten für Leib und Magen, frommem Tand und nützlichen Sachen wie winterlichen Socken und Handschuhe aus Lammfell mit dazu passenden Mützen. Trotz Wirtschaftswachstumsschwäche und Raketen am Himmel der Ukraine ist gute Stimmung, auch mit einer gewissen Erwartung, obwohl vielen Menschen der eigentliche Grund des ganzen Trubels ncht mehr ganz klar ist und die Erwartung sich oft auf den Gabentisch und das gute Essen an Heiligabend beschränkt.

J Joachim Heisel

FUNDAMENTE

Gestern erschien im Münchner Merkur ein Artikel mit der Überschrift „Absagen nach Druck durch Studierende". Was war passiert? An der katholischen Hochschule der Jesuiten für Philosophie in der Kaulbachstraße in München war ein Vortrag des Heidelberger Privatdozenten für Philosophie Sebastian Ostritsch mit dem Thema „Ist Gottes Existenz eine Sache der Vernunfterkenntnis?" angekündigt, worin er sich vor allem auf Thomas von Aquin beziehen wollte. „Nach Druck von Studierenden" so heisst es in dem Artikel hat die Leitung der Hochschule Ostritsch wieder ausgeladen. „Angesichts der Begleitumstände innerhalb und außerhalb der Hochschule schien ein offener, akademischer Dialog nicht mehr möglich", teilte die Hochschule als Begründung mit, so in dem Artikel des Münchner Merkur. In einem Boykottaufruf bezeichnete eine Gruppe von Studenten Ostritsch als „rechtsextremen Fundamentalisten" und drohte mit Störungen und einer Gegenveranstaltung.

J Joachim Heisel

BURKHARD SCHEFFLER

Im November sind auch in Rom die Nächte manchmal recht kalt. Das wurde im November 2022 dem deutschen Obdachlosen Burkhard Scheffler zum Verhängnis. Seit Jahren dürfen Obdachlose in den Kolonnaden des Petersplatzes unterkommen und sich sogar, wenn es kalt wird, dort Zelte bauen. Burkhard Scheffler hatte das nicht gemacht und so wurde er an einem Morgen im November 2022 dort tot aufgefunden. Er war in der Nacht erfroren.

J Joachim Heisel