LEBENDIGER STEIN

1. Die von Gott geschaffene grossartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen. Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht wird. Doch jeder Epoche droht die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird. Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich »nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft« [1] aufklärt. Diese großartige Menschheit wird in Jesus Christus zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben und eröffnet jedem von uns den Weg zur Erfüllung.

J Joachim Heisel

WANN BETEST DU?

Ein Freund, der in Uganda in einem Work-Camp beim Bau einer Schule mithalf, erzählte mir, wie einer der einheimischen Studenten einen Deutschen fragte: „Wann betest du?“ Den deutschen Studenten erstaunte die Frage. Offensichtlich war es für den Afrikaner aus Uganda selbstverständlich, dass ein Mensch betet. Uganda steht auf der Entwicklungsskala der Länder der Erde auf einem der letzten Plätze. Die Menschen dort, wo die Schule gebaut wurde, können sich noch nicht einmal Kerzen leisten. Wenn abends um sieben Uhr die Sonne innerhalb weniger Minuten untergeht, bleibt es dunkel bis zum nächsten Morgen. Diese Menschen spüren auf natürliche Weise, dass sie weder über Tag und Nacht noch über ihr eigenes Leben Herr sein können. Sie spüren, dass es jemanden über ihnen gibt, der ihr Leben bestimmt. Auch wir spüren in bestimmten Momenten, dass unser Leben nicht allein von uns abhängt.

J Joachim Heisel

SAUERTEIG

Christus vergleicht das Reich Gottes mit dem Sauerteig (vgl. Lk 13,20). Sauerteig-Sein bedeutet im Verschwinden etwas Neues zu bewirken, Geschmack zu geben. Das kann geschehen durch die Art und Weise wie der Christ den anderen als Mitmensch, Handwerker, Angestellter, als Kunde oder Verkäufer, Hausfrau, Arzt oder Rechtsanwalt begegnet. Er sollte etwas vom Geist und Geschmack des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe widerspiegeln, die den Geist Christi ausmachen. Nicht große fromme Events sondern die Summe der christlich gelebten Einzelexistenzen können zeichenhaft den Anbruch des Reiches Gottes verkünden.

J Joachim Heisel

GLAUBE UND GESELLSCHAFT

33. Mit dem heiligen Johannes XXIII. beginnt eine neue Etappe der kirchlichen Soziallehre, die durch eine deutlichere Ausrichtung auf die globale Dimension sozialer Fragen und auf die Sprache der Rechte gekennzeichnet ist. In Mater et magistra stellt er den christlichen Glauben als ein Licht dar, das in der Lage ist, Himmel und Erde miteinander zu verbinden, und er erinnert daran, dass die Kirche, obwohl ihre vorrangige Sendung in der Heiligung und der Verkündigung der ewigen Güter besteht, deshalb nicht die konkreten Bedürfnisse des täglichen Lebens der Menschen vernachlässigt, sondern sich für jedes authentische menschliche Gut interessiert. [27] Ausgehend von dieser ganzheitlichen Sichtweise des Menschen betont er, dass das gesellschaftliche Leben ein Gleichgewicht erfordert zwischen der Initiative der Bürger und Gruppen, die dazu aufgerufen sind, sich selbst zu organisieren und zusammenzuarbeiten, und dem Handeln des Staates, der koordinieren und unterstützen muss, ohne die…

J Joachim Heisel

ANHAUCH DER GESCHICHTE

Ich sitze hier unter einem großen Kreuz, das bereits im Jahr 1852 auf dem Burgberg oberhalb von Kreuzweingarten bei Euskirchen errichtet wurde. Der Ort ist schon seit der Zeit der Kelten besiedelt und weist Spuren einer Ringwallbefestigung auf, in dessen Nähe einige Ansiedlungen waren.

J Joachim Heisel

KASTEN BIER

Wieder einmal sitze ich auf der Bank unter einem großen schweren Betonkreuz, das in den dreißiger Jahren der Ortspfarrer oberhalb dem kleinen Ort Kreuzweingarten hat errichten lassen. Vom Hang darunter steigt der abendliche Duft von Gräsern und Blumen zu mir herauf und mit ihm die Erinerung an eine Szene von einen Juniabend vor einigen Jahren.

J Joachim Heisel

WAGNIS

Wir können uns der letzten Geheimnisse nicht anders versichern als durch einen kühnen Sprung in die Tiefe. Dieser Sprung ist ein ungeheures Wagnis, er bedeutet eine ganz persönliche Entscheidung, aber wir dürfen sie trotz aller Gefährlichkeit und scheinbarer Ungewissheit getrost vollziehen, denn es ist kein blinder Zufall, dass wir unter diesen oder jenen Vorstellungen über die letzten Geheimnisse stehen, sondern diese Vorstellungen sind vom göttlichen Leben selbst in uns gewirkt. (Gertrud von le Fort 1876-1971)

J Joachim Heisel

DER GANZE MENSCH

Aus der Encyclika von Papst Leo XIV. Magnifica Humanitas:

J Joachim Heisel

DANKBARKEIT

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird.

J Joachim Heisel

ABRÜSTEN

Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.:

J Joachim Heisel

APFELBAUM

Dieses Jahr war ich schon auf drei Bestattungen.. Der peinlichste Augenblick bei einer katholischen Beerdigung ist dann gekommen, wenn der Pfarrer die anwesenden Trauernden aufruft, für den nächsten zu beten, „der vor das Angesicht Gottes treten wird". Dann geht ein verstohlener Blick in die Runde, wer das wohl sein könnte.

J Joachim Heisel

TURMBAU ZU BABEL

Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV. :

J Joachim Heisel

STUNDE NULL

Wir kamen von der Stunde Null und haben erlebt, wie es immer weiter bergauf ging. Wir haben uns nicht als letzte Generation gefühlt sondern als die erste Generation nach der Stunde Null. Zukunftsängste wie wir sie heute erleben mit drohender Klimakatastrophe, Pandemieangst, Kriegsangst in Europa waren uns fremd. Es gab zwar Momente, die „brenzlig“ waren: Koreakrieg, Kubakrise, Bau der Mauer, aber wir hatte nicht das Gefühl dem ohnmächtig gegenüber zu stehen oder ein Gefühl des Ausgeliefertseins.

J Joachim Heisel

GRUNDLOS FROH

Auf der Straße lag eine Einladung eines wohl indischen Guru: Erlebe grundlose Freude mit Lachen. Möchtest du mal wieder aus vollem Herzen lachen – einfach so, ohne Grund? Tauche live ein in die Erfahrung von grundloser Freude und unbeschwerten Glück und unbekümmerten Lachen.

J Joachim Heisel

PARKINSON

Ich besuchte einen Freund mit Morbus Parkinson in der Klinik. Er kann nur mit Rollator gehen, und als wir im Garten waren, ist er von einer Bank seitlich weggekippt und ist gottseidank weich auf die Wiese im Garten der Klinik hingefallen. Einige kräftige junge Männer haben ihm wieder aufgeholfen.

J Joachim Heisel

MISSBRAUCH

Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.

J Joachim Heisel

ABBA VATER

Im Gebet halte ich Gott mein Leben hin. Ich begebe mich gewissermaßen aus mir selbst heraus auf Gott hin und lasse zu, dass er mein Leben anschaut und mir Antwort gibt.Ich kann ihn fragen, was er von mir hält. Das kann natürlich auch einmal unangenehm sein, aber wir können immer aus dem Geist der Gotteskindschaft mit ihm sprechen,.Als einer der Jünger Jesus bittet: „Herr, lehre uns beten!" sagt er: „Wenn ihr betet, so sprecht: Abba, Vater." ,wobei das Wort „Abba" auf aramäisch, der Sprache Jesu, soviel bedeutet wie Papa, also eine familiäre Ansprache (vgl. Lk 11,1).

J Joachim Heisel

DER VERLORENE SOHN

Irgendwann werden wir die ganze längere oder kürzere Geschichte unseres Lebens hinter uns lassen müssen. Helmut Schmidt äußerte einmal die Überzeugung, er und seine Frau Loki seien davon überzeugt, dass wir uns nach dem Tod in Moleküle auflösen und uns im All verlieren. Andere glauben an ein Leben nach dem Tod, wo sie Gott begegnen werden. Beides hat erhebliche Konsequenzen für die Art und Weise, wie wir unser Leben betrachten.

J Joachim Heisel

WÜRDE

Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.:

J Joachim Heisel

MEMORY

Manchmal bleibe ich irgendwo in der Erinnerung hängen. So bei einem Telefonat mit der Tochter meiner Cousine, die früher als Kind oft bei meinen Eltern zu Gast war. Sie lebt nun in den USA. In einem Telefonat erinnerten wir uns gemeinsam an das Memory-Spiel, dass wir zusammen mit meinen Eltern gespielt haben, wobei Sabine immer gewonnen hat. Sie war damals etwa fünf Jahre alt. In diesem Alter haben die Kinder ein außergewöhnlich gutes optisches Gedächtnis, so dass sie uns Erwachsene immer geschlagen hat.

J Joachim Heisel

ZEITGEMÄSS

Und deswegen frage ich mich jedes Mal, wenn mir jemand weismachen will, dass etwas nicht mehr zeitgemäß sei, ob es nicht auch umgekehrt sein könnte, dass also die Sache richtig, aber die Zeit verkehrt ist, zum Beispiel Gott, der, wenn es ihn gibt, nicht darauf angewiesen ist, als zeitgemäß empfunden zu werden, weil eine Wahrheit unter allen Umständen wahr ist, selbst dann, wenn sie niemand wahrhaben will. Ob etwas alt oder neu ist, das hat mich nie interessiert, sondern immer nur, ob etwas richtig oder falsch, wahr oder unwahr ist.

J Joachim Heisel

BEGRENZTHEIT

Aus der Encyclika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV vom 25. Mai 2026:

J Joachim Heisel

WO LIEBE WOHNT

An Pfingsten kommt der Heilige Geist über die Apostel. Christus sagt vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen" (Joh 16,12-13).

J Joachim Heisel

KINDERFREI

Menschen, die sich bewusst gegen Nachwuchs entscheiden, bezeichnen sich nicht mehr als kinderlos, sondern als kinderfrei. Das schreibt die Journalistin Judith Lembke in einem Artikel des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Mai 2026. Vor allem Frauen empfinden das als Befreiung vom Zwang, Kinder in die Welt zu setzen.

J Joachim Heisel