BETEN

Beten ist Gespräch mit Gott. Jedes Gespräch und jede Beziehung lebt vom Austausch. Als ich einmal mit der Frau eines Freundes sprach, sagte sie mir, dass ihr Mann nach einem Streit tagelang nicht mehr mit ihr sprach. Das hat diese Beziehung natürlich sehr belastet. Wenn das ein Dauerzustand wird, dann hat eine solche Beziehung keine Zukunft. Bei vielen gescheiterten Ehen wird auch oft berichtet, dass sich die Eheleute nicht mehr zugehört haben.

J Joachim Heisel

SELIG DIE ARMEN IM GEISTE

Vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu als Prophet des kommenden Gottesreiches berichten uns die Apostel Matthäus und Lukas. .Nach dem Sprachgebrauch des Neuen Testaments ist hierbei Gottesreich gleichbedeutend mit Himmelreich (griech. Basileia thou theou) Es ist die sogenannte Bergpredigt, die gewissermaßen das „Regierungsprogramm“ des kommenden Reiches Gottes darstellt (Mt 5,3-12 ; Lk 6, 20 – 25).:

J Joachim Heisel

UNSERE ANGST

Angst ist zunächst einmal ein negativ besetztes Gefühl. Aber Angst warnt uns auch vor Gefahr. Wir haben Angst davor, über die Strasse zu gehen, ohne vorher nach links und rechts zu schauen. Und wir halten unsere Kinder dazu an, es zu tun. Wir tragen jetzt Gesichtsmasken und halten voneinander Abstand aus Angst vor Ansteckung.

J Joachim Heisel

LOCKERUNGEN

Freiwillig gezwungen haben wir uns von Corona fesseln lassen müssen. Wir haben in der Zeit Gehorsam und Verzicht gelernt, aber dürfen jetzt Freuden erleben, die wir sonst nicht gehabt hätten. Motto: Gehabte Schmerzen hab ich gern (Wilhelm Busch 1832-1908). Noch stehen wir auf nicht absehbare Zeit weiter unter den Corona-Gesetzen, die aber u.U. vor allem lokal wieder verschärft werden können. Aber der Mensch lebt vom Gegensatz. Wenn es ein paar Tage geregnet hat, freut er sich, wenn endlich wieder die Sonne scheint. In einem heißen Sommer führen ein paar kühlere Tage zu Freude und Erleichterung. So ist es auch mit den Lockerungen nach den Corona-Beschränkungen. Wir freuen uns über einen Besuch im Biergarten oder im Museum, weil er lange Zeit nicht möglich war. Jetzt genießen wir es, dass das soziale Leben wieder in Schwung kommt, denn es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist (Gn 2,18). Besuche und Treffen sind auch in größerem Rahmen wieder möglich. Es…

J Joachim Heisel

HERZ ZEIGEN

Heute feiert die Kirche das Fest des Herzens Jesu. In der christlichen Mystik spielt das Herz Jesu eine besondere Rolle. Im Evangelium des Johannes heißt es nach dem Tod Jesu am Kreuz: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser daraus. Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt (Joh 19,32-35)“. - Der dies bezeugt, der Apostel Johannes, ist der gleiche, der beim Abschiedsmahl Jesu an seiner Seite ruhte und seinem Herzen nahe stand. Leonardo da Vinci (1452-1519) hat diese Szene in seinem weltberühmten Gemälde im Kloster Santa Maria delle Grazie in Mailand aus dem Jahr 1495 so bewegend dargestellt und Andy Warhol hat es in die moderne Pop-Kultur übersetzt .

J Joachim Heisel

BLINDER FLECK

Im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd ist viel die Rede gewesen von Trauer und Wut. Trauer, auch öffentliche Trauer und Empörung ist sicher die richtige Antwort aber Wut hat etwas Zerstörerisches, Unkontrolliertes, dem Hass nahe. Dank dem Appell von George Floyds Bruder an die Demonstranten haben gewaltsame Ausschreitungen und blinde Wut nicht noch mehr Unheil angerichtet. Eine solch weltweite Trauer wie jetzt gab es in den USA und in der ganzen Welt nur beim gewaltsamen Tod von Martin Luther King 1929-1968) und J:F. Kennedy.

J Joachim Heisel

DURCH DIE STRASSEN DES VIERTELS

Dieser Tage sind mir bei einem Gang durch die Strassen des Viertels, wo ich 34 Jahre als Hausarzt tätig war, die vielen Menschen mit ihren Schicksalen in Erinnerung gekommen, die all die Jahre meine Patienten waren. Sie sind Teil meiner Biografie geworden und ich selber bei vielen über all die Jahre auch Teil ihres Lebens. Wenn ich an den Häusern vorbeigehe, fallen mir ihre Geschichten wieder ein, manchmal traurige aber auch erbauliche und lustige Geschichten. So kam eines Tages eine Patientin in die Sprechstunde, weil sie glaubte, in der Nacht wäre eine Maus ihr in den offenen Mund gelaufen (ins Moi glaffen). Als ich ihr dann vorschlug, mittels einer Gastroskopie nach der Maus zu suchen, war sie nicht einverstanden und meinte, vielleicht habe sie doch nur geträumt. Es gab Menschen, die ihr Schicksal bewundernswert gemeistert haben. Viele haben sich für ihre Angehörigen aufgeopfert, um ihnen in Krankheit und Alter beizustehen. Ich erinnere mich auch an ein Ehepaar, die ein Kind…

J Joachim Heisel

DER GEIST GOTTES

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand (Weish 1,7)

J Joachim Heisel

NEUVERMESSUNG DER HEIMAT

Christi Himmelfahrt, Vatertag, Starnberger See, Kempfenhausen, Menschen am Seestrand, die die Sonne genießen, Auszeit von Corona, am Horizont die Berge. Es gibt sie noch und wir dürfen sie sehen und uns des Lebens freuen. Am Einlass zum Parkplatz wird nicht wie sonst Geld kassiert. Vielleicht weil der Kassierer keinen Abstand halten kann, eine günstige Nebenwirkung von Corona? Der Parkplatz ist voll. Gott sei dank fährt gerade jemand weg. Auf der Liegewiese ist auch bei einem Abstand von 1,5 m noch viel Platz frei. Man merkt es den Menschen an, dass sie es genießen, draußen zu sein aber irgendwie ist die Freude gedämpft als könnte etwas passieren. Wie eine Glocke liegt Corona über der Frühlingsstimmung: 1,5 Meter Abstand oder besser noch zwei Meter! Paare halten sich wie zum Trotz fest umschlungen. Hier wird die Abstandsregel außer Kraft gesetzt, Gott sei Dank keine Kontrolle. Ein kleines etwa fünfjähriges Mädchen schreit dauernd: „Es gibt Regen“ und lässt sich nicht…

J Joachim Heisel

MIT GEBROCHENEM HERZEN

Zum 75.Jahrestag des Kriegsendes hat unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine bewegende Rede gehalten. Er sprach davon, dass wir Deutschen unser Land nur mit „gebrochenem Herzen“ lieben könnten. Das ist angesichts der deutschen Vergangenheit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Haltung, die sicher dem Empfinden vieler Menschen in unserem Land entspricht. Obwohl die weitaus größte Mehrheit der Menschen, die jetzt in diesem Land leben, diese Zeit nicht mehr bewusst erlebt haben und deshalb auch keine direkte Verantwortung für das tragen, was damals geschehen ist, muss uns doch die Erinnerung daran mit Trauer und Scham erfüllen. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) sagte 1952 im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo während des Nazi-Regimes viele tausend Menschen ermordet wurden: „Und dies ist unsere Scham, dass sich solches im Raume der Volksgeschichte vollzog, aus der Lessing und Kant, Goethe und Schiller in das Weltbewußtsein traten.…

J Joachim Heisel

ALS DAS ENDE DER ANFANG WAR

In einer weltweiten Krisensituation mag ein Rückblick erlaubt sein, nicht als Vergleich sondern als Erinnerung wie es damals war, in der Zeit nach dem Krieg - vor 75 Jahren. An einiges kann ich mich aus der Perspektive des Kindes, das ich damals war, noch erinnern, zum Beispiel dass viele meiner Klassenkameraden ihren Vater nie gekannt haben, weil sie noch in den letzten Monaten und Tagen des Kriegs gefallen waren. Von einigen kehrten die Väter erst nach Jahren zurück, der Vater einer Klassenkameradin erst 1955 aus der Sowjetunion. Auf den Strassen und in der unmittelbaren Nachbarschaft sah man viele Kriegsversehrte, denen ein Arm oder ein Bein fehlte oder die andere Kriegsverletzungen erlitten hatten. In unserer Straße wohnte ein Mann, der kriegsblind war, und dessen Frau die Witwe seines gefallenen Kriegskameraden war. In der Stadt gab es nur zwei Psychiater. Ich frage ich mich heute, wie die Menschen damals all dieses Leid bewältigt haben.

J Joachim Heisel

NÄHE MIT ABSTAND

In der gegenwärtigen Situation wird uns ein Maß vorgegeben. Wenn wir es nicht einhalten, droht Bußgeld. Die Experten haben es festgelegt: Eineinhalb Meter müssen wir uns den Nächsten vom Leib halten, damit er uns nicht mit seinem Coronavirus anstecken kann und wir selber ihn auch nicht. „Seid umschlungen Millionen“ wie es im Lied an die Freude von Friedrich Schiller, jetzt Europa-Hymne – heißt, ist jetzt gefährlich!

J Joachim Heisel

ET HET NOCH EMMER ALLES JOT JEJANGEN

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dieser Spruch ist mir von Kind auf vertraut, denn er hing an der Wand in der Küche meiner Mutter. Humor ist der Schwimmgürtel des Lebens lautet ein anderer Spruch, den ein Freund sich über die Tür schrieb. Humor schafft Distanz zu belastenden Ereignissen und schwierigen Situationen und entschärft sie. Wir haben jetzt in Zusammenhang mit der Krise viele Beispiele, wie Menschen zum Teil mit Überzeichnung und lustigen Einfällen den Ernst der Situation für einen Augenblick durchbrechen.

D Dr. Joachim Heisel

TRAU-SCHAU WEM

Trau – schau wem. Dieser Rat der Volksweisheit weist uns die Richtung, wenn wir über Vertrauen sprechen. Man spricht ja auch davon, dass man jemandem nicht über den Weg trauen kann. Man würde z.B. mit dieser Person nicht gern im nächtlichen Wald spazieren gehen oder mit ihm ein Geschäft abschließen. Vertrauen ist fundamental in unserem Leben. Im Alltag muss ich ständig auf „Treu und Glauben“ handeln. Wenn ich in ein Taxi steige, vertraue ich darauf, dass der Fahrer einen Führerschein hat und mich gut an mein Ziel bringt. Wenn ich bei Grün über die Kreuzung gehe, vertraue ich darauf, dass die Ampel richtig geschaltet ist. Auf Schritt und Tritt bin ich auf Vertrauen angewiesen.

D Dr. Joachim Heisel

NAHTSTELLE

Für einen Arzt ist es immer wieder eine schwierige und menschlich belastende Situation, wenn er Patienten behandeln soll, für die es keine Heilung mehr gibt. Als ich auf einer hämatologisch-onkologischen Station gearbeitet habe, hatte ich solche Patienten. Ihre größte Hoffnung war der nächste Therapie-Stoß oder das Wochenende zuhause bei ihrer Familie. Wie sehr wünschte man sich in solchen Augenblicken, diesen Patienten helfen zu können. Das sind Momente, wo der Arzt trotz aller Fortschritte in der Medizin seine Ohnmacht zu spüren bekommt. Hier fängt der Bereich an, wo die Hoffnungen dieser Welt verblassen.

J Joachim Heisel

AM GEDULDSFADEN

In meiner Heimatstadt Trier gibt es mitten in der Stadt auf dem Hauptmarkt einen Brunnen, den der Magistrat im Jahr 1594 errichten ließ und auf dessen Mittelsäule vier allegorische Frauenfiguren dargestellt sind, die die vier Grund- oder Kardinaltugenden versinnbildlichen: Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Maß.

J Joachim Heisel

KRISEN SIND AUCH CHANCEN

Eine Freundin aus Kenia, die mit ihrer Familie in München lebt und eine große Hilfsorganisation für Afrika leitet ,schrieb mir in einem Rundschreiben ihrer Organisation unter der Überschrift „Exit-Strategie noch nicht in Sicht – die Solidarität schon“: „Die COVID Pandemie betrifft auf dem ersten Blick nur die Gesundheitsfrage. Trotzdem ist es unvorstellbar, wie sehr das gesamte Weltsystem von dieser einen Frage geprägt wird. Die Ernten der Bauern, die Wirtschaft, das soziale Miteinander, politische Entscheidungen, unsere Demokratie, unser Glaube, unsere Kernfreiheiten, die eigene Existenz u.v.m. Besser könnte man unsere jetztige Situation nicht beschreiben.

J Joachim Heisel

UNSERE DURCHKREUZTEN PLÄNE

In der Sendung „Deutschland betet gemeinsam“ des Gebetshauses Augsburg mit Johannes Hartl sprach eine junge Frau von den „zersprungenen Plänen“, die sie in die Hand Gottes legen möchte und von dem Leid, das Corona uns gebracht hat und noch bringen wird. Ein verstorbener guter Freund mit reicher Lebenserfahrung sprach immer wieder von den „durchkreuzten Wegen“ in seinem Leben und meinte damit die Erfahrung, dass Gott an seinen eigenen Wegen auch immer wieder Kreuze aufgestellt hat. Gleichzeitig sagte er, dass das Kreuzzeichen ein Pluszeichen ist, denn das Kreuz könne uns helfen, zum Wesentlichen in unserem Leben zu kommen. Unsere Vorfahren haben aus dieser Gesinnung heraus in Wald und Flur Wegkreuze errichtet. Am Karfreitag betet die Kirche: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

J Joachim Heisel

WORAUF WIR ACHTEN SOLLEN

In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir Freude und Erholung nicht untergehen lassen. Wir können jetzt auf Dinge achten, an denen wir bisher achtlos vorübergegangen sind, weil wir keine Zeit hatten oder weil wir glaubten, keine Zeit zu haben. Jetzt haben wir Zeit, ein blühendes Frühlingsbeet im Garten oder im Park zu betrachten oder einem Vogel zuzuhören, der ein erstes Frühlingslied singt.

J Joachim Heisel

SEI BEHÜTET

Unter dem Schutz des Höchsten (Psalm 91)

J Joachim Heisel

DEINE SORGEN

Der Philosoph Karl Jaspers (1883-1969) hat gemeint, dass eine wichtige Wesenseigenschaft des Menschen sei, dass er sich sorgt. Tatsächlich sind wir ständig besorgt um uns selbst, unsere Familie, Kinder, Freunde und Angehörige. Wir sorgen uns um den Klimawandel, den Frieden, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Corona-Virus zeigt uns, wie verletzlich die Weltgemeinschaft ist. Je älter wir werden, desto mehr Sorgen machen wir uns auch um unsere Gesundheit. Manche Menschen sind von Sorgen geradezu niedergedrückt.

J Joachim Heisel

CORONA

Es ist etwas eingetreten, wovor Fachleute spätestens nach dem Auftreten von Schweine- und Vogelgrippe schon längst gewarnt haben: Ein neuer Erreger ist aufgetreten, gegen den bisher kein wirksames Gegenmittel hilft und gegen den man sich auch durch Impfung bisher nicht schützen kann. Dazu kommt, dass er sich schneller ausbreitet als bisher angenommen.

J Joachim Heisel

DIE ZUNGE

Die Zunge ist ein kleines Glied und rühmt sich doch großer Dinge. Und wie klein kann ein Feuer sein, das einen großen Wald in Brand steckt. Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist ein Teil, der den ganzen Menschen verdirbt und das Rad des Lebens in Brand setzt ( Jak 3,.1-12)

J Joachim Heisel