HADERN MIT GOTT
Ein Freund ist plötzlich und unvorhersehbar mit 76 Jahren verstorben. Die Angehörigen hatten keine Gelegenheit mehr, sich von ihm zu verabschieden. Ohne Zweifel eine harte Prüfung für die ganze Familie. Bei der Beerdigung fragte mich die Witwe, eine gläubige Frau: „Ich hadere mit Gott, dass uns ein Abschied nicht möglich war. Warum lässt Gottes das zu?"
SANKT ELISABETH
Ich war auf der Bank in der Nähe des Ostbahnhofs in München und danach in der Kirche Sankt Elisabeth, einem schönen Rundbau mit viel Licht. Ich war ganz allein dort. Eine Frau trat herein und ging zum Tabernakel, zündete Kerzen an und betete davor. Es war, als ob zwischen uns eine Verbindung entstand mit dem Tabernakel als Zentrum. Ich dachte an das Wort Jesu: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)
MACHT DES MENSCHEN
Inzwischen ist eine andere Form von Macht in den Vordergrund gerückt, die zunächst rein wohltätig und allen Beifalls würdig zu sein scheint, in Wirklichkeit aber zu einer neuen Art von Bedrohung des Menschen werden kann. Der Mensch ist nunmehr im Stande, Menschen zu machen, sie sozusagen Reagenzglas zu produzieren. Der Mensch wird zum Produkt, und damit verändert sich das Verhältnis des Menschen zu sich selbst von Grund auf. Er ist nicht mehr ein Geschenk der Natur, oder ist Schöpfer Gottes; er ist sein eigenes Produkt. Der Mensch ist in die Brunnenstube der Macht hinunter gestiegen, an die Quellorte seiner eigenen Existenz.
DIE ANDEREN
Die anderen ...
Ein Hauch von Herbst
Als ich vorgestern am Abend durch den Englischen Garten ging, hatten die Bäume, die schon vom Sommer halb vertrocknet waren, im milden Licht der Abendsonne einen Anflug von Herbst. Der Wind hatte nicht mehr den backofenwarmen Hauch der vergangenen Wochen, sondern wehte als mildes Lüftchen. Ein einsamer Nackerter lief noch einmal etwas verloren über die Wiese.
VERLORENE ZEIT
Es gibt so viele leere Zeiten in unserem Leben, dass man daraus fast ein zweites zusammensetzen könnte. Nehmen wir an, wir hängen in einer Warteschleife bei einer Anfrage bei der Bank oder der Stadtverwaltung. Wir können uns ärgern über die Zeit, die wir dabei vertun. Wir können aber auch an etwas Schönes denken, zum Beispiel an unseren letzten Ausflug in die Berge, wo wir den blauen Himmel und die grünen Wiesen in ihrer ganzen Pracht gesehen haben oder das schöne Konzert von gestern. Wir können auch für die Menschen beten, denen wir am Telefon begegnen werden, bevor wir uns über sie ärgern.
BEWUSST LEBEN
Jemand erzählt uns seine Story zum dritten Mal, und wir merken, wie unsere Gedanken nur bei dem einen verweilen: Wann hört er oder sie endlich auf! Stattdessen könnten wir uns entschließen, diesem Menschen diesmal besonders gut zuzuhören, weil es ihm wohl ein Anliegen ist, uns diese Sache zum dritten Mal zu erzählen, weil es ihm vielleicht hilft und er das jetzt braucht.
DIE MACHT DES BÖSEN
Aus der Encyclika Spe salvi von Papst Benedikt XVI:
IMMERFORT
Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand. So ist es und so soll es sein.
HOFFNUNGEN
Aus der Encyclika Spe salvi von Papst Benedikt XVI.Nr.35:
TEILEN
Am vergangenen Sonntag wurde bei der Lesung des Evangeliums die Episode von der Brotvermehrung vorgelesen. Eine große Menschenmenge hatte sich in der Wüste um Jesus geschart. Es fehlte an Nahrung und der Tag ging schon zu Ende. Da wirkte Jesus in göttlicher Macht ein Wunder. Es gab nur fünf Brote und zwei Fische vor Ort. Jesus erteilte seinen Jüngern die Weisung, diese Brote und Fische an die Menge zu verteilen. Es reichte für alle. Sogar blieben noch zwölf Körbe voll Brot übrig.
TROST DER DINGE
Es gibt Gegenstände, die uns irgendwie ans Herz gewachsen sind. Bei mir gehört dazu ein nun schon fast 25 Jahre alter CD-Player chinesischer Herkunft, den ich mir im Media Markt in Trier gekauft habe, als ich einen Hörsturz und Tinnitus hatte und zu Hause in Trier eine Alzheimerkranke Mutter und dazu noch meine Praxis in München.
IN MEINER ALTEN SCHULE
Vor kurzem wurde ich von einem Geschichtslehrer an meiner ehemaligen Schule, dem Max- Planck-Gymnasium in Trier eingeladen, um mein Buch Jahrgang 1945 – ein biografisches Zeitmosaik - vorzustellen. Etwa 30 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse kamen nacheinander in den Raum. Der Geschichtslehrer stellte mich vor, nachdem er mir noch vorher die ganze Schule, so wie sie jetzt ist, gezeigt hatte, wobei man schon sah, dass unsere damalige Schule mit der heutigen wenig zu tun hat. So waren wir damals nur Jungen und hatten keine einzige Lehrerin.
NUR FÜR HEUTE
Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
DANKEN KOMMT VON DENKEN
Es sind manchmal die kleinen Gesten, die uns den Alltag erhellen können: Jemand hält uns mit einem Lächeln die Tür auf, wenn wir hindurchgehen wollen. Ein Autofahrer/in bleibt stehen, wenn er bemerkt, dass wir über die Straße gehen wollen, oder er oder sie wechselt uns Geld fürs Parken. Jemand lässt uns am Flaschenpfand-Automaten vor, weil wir weniger Flaschen haben als sie oder er. Es sind die tausend Zeichen des Dienstes und der Achtung voreinander, die unsere Zivilisation ausmachen. Für den Christen können auch die kleinen Dienste des Alltags eine tausendfache Reflexion der Worte Christi sein: Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. Dankbarkeit verlangt immer nach konkretem Ausdruck. Ausdrucklos dankbar sein geht nicht. Das kann ein Lächeln sein oder eine Tat, eine Hilfe, ein Wort, das wir sprechen oder eine Geste. Dankbare Gedanken werden uns zu dankbaren Gesten inspirieren. Gemäß dem alten philosophischen Prinzip: Nihil est in actu, quod non prius…
NUR FÜR HEUTE
Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
KRISEN KÖNNEN CHANCEN SEIN
KRISEN KÖNNEN CHANCEN SEIN
FRUSTRATIONSTOLERANZ
Die amerikanische Familientherapeutin Wendy Mogel, die Verfasserin eines einflussreichen Buches über Kindererziehung, hatte viele Kinder in ihrer Praxis, die durch mangelnde Dankbarkeitshaltung und dauerndes Verlangen nach immer neuen Dingen auffielen. Sie empfahl den Eltern dieser Kinder neben persönlichem Beispiel an Dankbarkeit die Pflege einer Kultur des Sich-Bedankens innerhalb der Familie. Dadurch wachsen die Kinder nicht nur in der Haltung der Dankbarkeit sondern sie richteten den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf die Vorteile, die sie tagtäglich im Haus ihrer Eltern genießen. Das Kind müsse auch daran gewöhnt werden, Sehnsüchte auszuhalten, sagt Wendy Mogel, denn je weniger Spannung ein Kind aushalten muss, bis seine Wünsche erfüllt werden, desto geringer sei auch der Grad seiner Dankbarkeit oder seiner Frustrationstoleranz, wenn ein Wunsch unerfüllt bleibt. Auch sollten Kinder frühzeitig dazu angehalten werden, etwas für andere zu tun, z.B. dem kranken Freund einen…
LEBENSFREUDE
Ich war in Eile unterwegs zu einem Besuch und sah das Schild von Lidl. Noch schnell Blumen kaufen! Die junge Kassiererin saß allein an der Kasse und lachte, als ich mit meinem Strauss in der Hand auf sie zulief und sagte: „Wie schön, dass sie mir Blumen schenken wollen“. Für einen scherzhaften Moment traten wir beide aus unserer Käufer-Verkäufer-Rolle heraus. Als ich dann versuchte, eine Blume aus dem festgebundenen Strauß herauszunehmen, ging das nicht. Sie lachte und meinte: War ja nur ein Scherz!
LERNE NUR DAS GLÜCK ERGREIFEN
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sagt in einem seiner Gedichte: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da." Goethe war zwar bis nach Italien gereist und hat dort das Sehnsuchtsland der Deutschen gesucht , „das Land, wo die Zitronen blühen“, aber den größten Teil seines Lebens hat er in kleinen Stadt Weimar verbracht, wo er viel Zeit Studien der Natur gewidmet hat. Aus dieser Beobachtung hat er große Inspiration für sein dichterisches Schaffen und für ein Leben mit der Natur gefunden.
LEBENDIGER STEIN
1. Die von Gott geschaffene grossartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen. Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht wird. Doch jeder Epoche droht die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird. Wo die Menschheit riskiert, ihr wahres Gesicht zu verlieren, da erheben wir Christen unseren Blick zu dem Gott, der Mensch geworden ist, in dem Wissen, dass sich »nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft« [1] aufklärt. Diese großartige Menschheit wird in Jesus Christus zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben und eröffnet jedem von uns den Weg zur Erfüllung.
WANN BETEST DU?
Ein Freund, der in Uganda in einem Work-Camp beim Bau einer Schule mithalf, erzählte mir, wie einer der einheimischen Studenten einen Deutschen fragte: „Wann betest du?“ Den deutschen Studenten erstaunte die Frage. Offensichtlich war es für den Afrikaner aus Uganda selbstverständlich, dass ein Mensch betet. Uganda steht auf der Entwicklungsskala der Länder der Erde auf einem der letzten Plätze. Die Menschen dort, wo die Schule gebaut wurde, können sich noch nicht einmal Kerzen leisten. Wenn abends um sieben Uhr die Sonne innerhalb weniger Minuten untergeht, bleibt es dunkel bis zum nächsten Morgen. Diese Menschen spüren auf natürliche Weise, dass sie weder über Tag und Nacht noch über ihr eigenes Leben Herr sein können. Sie spüren, dass es jemanden über ihnen gibt, der ihr Leben bestimmt. Auch wir spüren in bestimmten Momenten, dass unser Leben nicht allein von uns abhängt.
SAUERTEIG
Christus vergleicht das Reich Gottes mit dem Sauerteig (vgl. Lk 13,20). Sauerteig-Sein bedeutet im Verschwinden etwas Neues zu bewirken, Geschmack zu geben. Das kann geschehen durch die Art und Weise wie der Christ den anderen als Mitmensch, Handwerker, Angestellter, als Kunde oder Verkäufer, Hausfrau, Arzt oder Rechtsanwalt begegnet. Er sollte etwas vom Geist und Geschmack des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe widerspiegeln, die den Geist Christi ausmachen. Nicht große fromme Events sondern die Summe der christlich gelebten Einzelexistenzen können zeichenhaft den Anbruch des Reiches Gottes verkünden.
