DER GEIST GOTTES

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand (Weish 1,7)

J Joachim Heisel

NEUVERMESSUNG DER HEIMAT

Christi Himmelfahrt, Vatertag, Starnberger See, Kempfenhausen, Menschen am Seestrand, die die Sonne genießen, Auszeit von Corona, am Horizont die Berge. Es gibt sie noch und wir dürfen sie sehen und uns des Lebens freuen. Am Einlass zum Parkplatz wird nicht wie sonst Geld kassiert. Vielleicht weil der Kassierer keinen Abstand halten kann, eine günstige Nebenwirkung von Corona? Der Parkplatz ist voll. Gott sei dank fährt gerade jemand weg. Auf der Liegewiese ist auch bei einem Abstand von 1,5 m noch viel Platz frei. Man merkt es den Menschen an, dass sie es genießen, draußen zu sein aber irgendwie ist die Freude gedämpft als könnte etwas passieren. Wie eine Glocke liegt Corona über der Frühlingsstimmung: 1,5 Meter Abstand oder besser noch zwei Meter! Paare halten sich wie zum Trotz fest umschlungen. Hier wird die Abstandsregel außer Kraft gesetzt, Gott sei Dank keine Kontrolle. Ein kleines etwa fünfjähriges Mädchen schreit dauernd: „Es gibt Regen“ und lässt sich nicht…

J Joachim Heisel

MIT GEBROCHENEM HERZEN

Zum 75.Jahrestag des Kriegsendes hat unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine bewegende Rede gehalten. Er sprach davon, dass wir Deutschen unser Land nur mit „gebrochenem Herzen“ lieben könnten. Das ist angesichts der deutschen Vergangenheit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Haltung, die sicher dem Empfinden vieler Menschen in unserem Land entspricht. Obwohl die weitaus größte Mehrheit der Menschen, die jetzt in diesem Land leben, diese Zeit nicht mehr bewusst erlebt haben und deshalb auch keine direkte Verantwortung für das tragen, was damals geschehen ist, muss uns doch die Erinnerung daran mit Trauer und Scham erfüllen. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) sagte 1952 im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo während des Nazi-Regimes viele tausend Menschen ermordet wurden: „Und dies ist unsere Scham, dass sich solches im Raume der Volksgeschichte vollzog, aus der Lessing und Kant, Goethe und Schiller in das Weltbewußtsein traten.…

J Joachim Heisel

ALS DAS ENDE DER ANFANG WAR

In einer weltweiten Krisensituation mag ein Rückblick erlaubt sein, nicht als Vergleich sondern als Erinnerung wie es damals war, in der Zeit nach dem Krieg - vor 75 Jahren. An einiges kann ich mich aus der Perspektive des Kindes, das ich damals war, noch erinnern, zum Beispiel dass viele meiner Klassenkameraden ihren Vater nie gekannt haben, weil sie noch in den letzten Monaten und Tagen des Kriegs gefallen waren. Von einigen kehrten die Väter erst nach Jahren zurück, der Vater einer Klassenkameradin erst 1955 aus der Sowjetunion. Auf den Strassen und in der unmittelbaren Nachbarschaft sah man viele Kriegsversehrte, denen ein Arm oder ein Bein fehlte oder die andere Kriegsverletzungen erlitten hatten. In unserer Straße wohnte ein Mann, der kriegsblind war, und dessen Frau die Witwe seines gefallenen Kriegskameraden war. In der Stadt gab es nur zwei Psychiater. Ich frage ich mich heute, wie die Menschen damals all dieses Leid bewältigt haben.

J Joachim Heisel

NÄHE MIT ABSTAND

In der gegenwärtigen Situation wird uns ein Maß vorgegeben. Wenn wir es nicht einhalten, droht Bußgeld. Die Experten haben es festgelegt: Eineinhalb Meter müssen wir uns den Nächsten vom Leib halten, damit er uns nicht mit seinem Coronavirus anstecken kann und wir selber ihn auch nicht. „Seid umschlungen Millionen“ wie es im Lied an die Freude von Friedrich Schiller, jetzt Europa-Hymne – heißt, ist jetzt gefährlich!

J Joachim Heisel

ET HET NOCH EMMER ALLES JOT JEJANGEN

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dieser Spruch ist mir von Kind auf vertraut, denn er hing an der Wand in der Küche meiner Mutter. Humor ist der Schwimmgürtel des Lebens lautet ein anderer Spruch, den ein Freund sich über die Tür schrieb. Humor schafft Distanz zu belastenden Ereignissen und schwierigen Situationen und entschärft sie. Wir haben jetzt in Zusammenhang mit der Krise viele Beispiele, wie Menschen zum Teil mit Überzeichnung und lustigen Einfällen den Ernst der Situation für einen Augenblick durchbrechen.

D Dr. Joachim Heisel

TRAU-SCHAU WEM

Trau – schau wem. Dieser Rat der Volksweisheit weist uns die Richtung, wenn wir über Vertrauen sprechen. Man spricht ja auch davon, dass man jemandem nicht über den Weg trauen kann. Man würde z.B. mit dieser Person nicht gern im nächtlichen Wald spazieren gehen oder mit ihm ein Geschäft abschließen. Vertrauen ist fundamental in unserem Leben. Im Alltag muss ich ständig auf „Treu und Glauben“ handeln. Wenn ich in ein Taxi steige, vertraue ich darauf, dass der Fahrer einen Führerschein hat und mich gut an mein Ziel bringt. Wenn ich bei Grün über die Kreuzung gehe, vertraue ich darauf, dass die Ampel richtig geschaltet ist. Auf Schritt und Tritt bin ich auf Vertrauen angewiesen.

D Dr. Joachim Heisel

NAHTSTELLE

Für einen Arzt ist es immer wieder eine schwierige und menschlich belastende Situation, wenn er Patienten behandeln soll, für die es keine Heilung mehr gibt. Als ich auf einer hämatologisch-onkologischen Station gearbeitet habe, hatte ich solche Patienten. Ihre größte Hoffnung war der nächste Therapie-Stoß oder das Wochenende zuhause bei ihrer Familie. Wie sehr wünschte man sich in solchen Augenblicken, diesen Patienten helfen zu können. Das sind Momente, wo der Arzt trotz aller Fortschritte in der Medizin seine Ohnmacht zu spüren bekommt. Hier fängt der Bereich an, wo die Hoffnungen dieser Welt verblassen.

J Joachim Heisel

AM GEDULDSFADEN

In meiner Heimatstadt Trier gibt es mitten in der Stadt auf dem Hauptmarkt einen Brunnen, den der Magistrat im Jahr 1594 errichten ließ und auf dessen Mittelsäule vier allegorische Frauenfiguren dargestellt sind, die die vier Grund- oder Kardinaltugenden versinnbildlichen: Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Maß.

J Joachim Heisel

KRISEN SIND AUCH CHANCEN

Eine Freundin aus Kenia, die mit ihrer Familie in München lebt und eine große Hilfsorganisation für Afrika leitet ,schrieb mir in einem Rundschreiben ihrer Organisation unter der Überschrift „Exit-Strategie noch nicht in Sicht – die Solidarität schon“: „Die COVID Pandemie betrifft auf dem ersten Blick nur die Gesundheitsfrage. Trotzdem ist es unvorstellbar, wie sehr das gesamte Weltsystem von dieser einen Frage geprägt wird. Die Ernten der Bauern, die Wirtschaft, das soziale Miteinander, politische Entscheidungen, unsere Demokratie, unser Glaube, unsere Kernfreiheiten, die eigene Existenz u.v.m. Besser könnte man unsere jetztige Situation nicht beschreiben.

J Joachim Heisel

UNSERE DURCHKREUZTEN PLÄNE

In der Sendung „Deutschland betet gemeinsam“ des Gebetshauses Augsburg mit Johannes Hartl sprach eine junge Frau von den „zersprungenen Plänen“, die sie in die Hand Gottes legen möchte und von dem Leid, das Corona uns gebracht hat und noch bringen wird. Ein verstorbener guter Freund mit reicher Lebenserfahrung sprach immer wieder von den „durchkreuzten Wegen“ in seinem Leben und meinte damit die Erfahrung, dass Gott an seinen eigenen Wegen auch immer wieder Kreuze aufgestellt hat. Gleichzeitig sagte er, dass das Kreuzzeichen ein Pluszeichen ist, denn das Kreuz könne uns helfen, zum Wesentlichen in unserem Leben zu kommen. Unsere Vorfahren haben aus dieser Gesinnung heraus in Wald und Flur Wegkreuze errichtet. Am Karfreitag betet die Kirche: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

J Joachim Heisel

WORAUF WIR ACHTEN SOLLEN

In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir Freude und Erholung nicht untergehen lassen. Wir können jetzt auf Dinge achten, an denen wir bisher achtlos vorübergegangen sind, weil wir keine Zeit hatten oder weil wir glaubten, keine Zeit zu haben. Jetzt haben wir Zeit, ein blühendes Frühlingsbeet im Garten oder im Park zu betrachten oder einem Vogel zuzuhören, der ein erstes Frühlingslied singt.

J Joachim Heisel

SEI BEHÜTET

Unter dem Schutz des Höchsten (Psalm 91)

J Joachim Heisel

DEINE SORGEN

Der Philosoph Karl Jaspers (1883-1969) hat gemeint, dass eine wichtige Wesenseigenschaft des Menschen sei, dass er sich sorgt. Tatsächlich sind wir ständig besorgt um uns selbst, unsere Familie, Kinder, Freunde und Angehörige. Wir sorgen uns um den Klimawandel, den Frieden, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Corona-Virus zeigt uns, wie verletzlich die Weltgemeinschaft ist. Je älter wir werden, desto mehr Sorgen machen wir uns auch um unsere Gesundheit. Manche Menschen sind von Sorgen geradezu niedergedrückt.

J Joachim Heisel

CORONA

Es ist etwas eingetreten, wovor Fachleute spätestens nach dem Auftreten von Schweine- und Vogelgrippe schon längst gewarnt haben: Ein neuer Erreger ist aufgetreten, gegen den bisher kein wirksames Gegenmittel hilft und gegen den man sich auch durch Impfung bisher nicht schützen kann. Dazu kommt, dass er sich schneller ausbreitet als bisher angenommen.

J Joachim Heisel

DIE ZUNGE

Die Zunge ist ein kleines Glied und rühmt sich doch großer Dinge. Und wie klein kann ein Feuer sein, das einen großen Wald in Brand steckt. Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist ein Teil, der den ganzen Menschen verdirbt und das Rad des Lebens in Brand setzt ( Jak 3,.1-12)

J Joachim Heisel

DEINE WUNDEN WERDEN HEILEN

Es ist Fastenzeit, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, in der uns die Kirche zu Konsumverzicht und Solidarität mit unseren Nächsten aufruft. Dazu schreibt der Prophet Jesaja um 740 v. Chr. Worte, die wir uns auch heute noch zu Herzen nehmen können. Er sagt: Das ist ein Fasten wie ich es liebe: wenn du einen Nackten siehst und ihn bekleidest und dich deinen Verwandten nicht entziehst, dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell heilen (Jes 58,8). Der Prophet Jesaja war wohl verheiratet und hatte Kinder. Er wusste, wovon er sprach. Einen Nackten zu bekleiden, kommt in unserem Alltag kaum vor. Aber wer heiratet, stellt früher oder später fest, dass er oder sie nicht nur die Frau oder den Mann geheiratet hat sondern gewissermaßen auch die jeweilige Verwandtschaft, im Guten und im Schlechten. In den Verwandten den Nächsten zu sehen, fällt manchmal schwer, vor allem, wenn sie nicht unseren Vorstellungen entsprechen.…

J Joachim Heisel

SINN UND ZWECK

Gott hatte Adam gerade geschaffen, als der erste Mensch die Augen aufschlug, sich umsah und ihn höflich fragte: “Was ist der Zweck von alledem?“ Gott antwortete: „Muss denn alles einen Zweck haben?“ „Aber ja doch“, sagte Adam. „Dann überlasse ich es Dir, für all das einen Zweck zu finden“, meinte Gott und ging. Am Anfang war also die Frage nach dem Zweck zumindest in dem Roman Katzenwiege von Kurt Vonnegut; aus dem diese Szene stammt. Man könnte sagen: Typisch Mann. Statt sich zu bedanken und zu staunen geht es ihm darum, was kann ich damit anfangen.

J Joachim Heisel

DAS WORT

Die Geschichte will sagen: In jedem Menschen…gibt es ein Optimum dessen, was jemand werden kann. Viele Menschen vergeuden ihr Leben damit, das werden zu wollen, was sie nicht werden können und das zu verleugnen, was sie werden könnten…Deshalb sollte man in erster Linie eine gewisse Vorstellung von dem haben, was jemand werden und nicht werden kann, welches die eigenen Begrenztheiten und welches die Möglichkeiten sind.(Erich Fromm)

J Joachim Heisel

SABINE

Warum ein Orkan ausgerechnet Sabine heißen soll, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass sich nicht alle Sabinen darüber geärgert haben. Ich selber musste mit Sabine auf der Autobahn unterwegs sein. Eigentliche Bedrohung habe ich dabei nicht empfunden. Es war auch nicht auf dem Höhepunkt von Sabine, dass ich unterwegs war. Allerdings merkte ich vor allem bei Brücken, dass das Auto einen leichten Drall erfuhr und ich das Lenkrad instinktiv fester hielt. Bei einer Rast machte ich den Kofferraum auf und eine rote leere Einkaufstüte aus Papier, wurde weggerissen. Ich wollte noch hinterher laufen, doch sie flatterte wie ein roter Drachen einen Hügel hinauf und verschwand dann auf der anderen Seite. Kein Schaden, aber es zeigte mir, welche Gewalt im Wind sein kann.

J Joachim Heisel