VERKÜNDIGUNG UND WAHRHEIT

Da Verkündigung nur auf Sendung hin geschehen kann, bleibt sie an die Sendung und an den Sendenden gebunden. Christus verkündigt uns nicht seine Worte. Er sagt seinen Jüngern:„ Das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir. sondern vom Vater, der mich gesandt hat ( Joh 14,24 )“. Seine Speise ist es, den Willen des Vaters zu tun ( Joh 4,34 ). Im heiligen Geist bewahrt die Kirche die Botschaft ihres Herrn und vollzieht seinen Willen. Deshalb tritt Paulus auf, sei es gelegen oder ungelegen ( 2 Tim 4,2). Er verkauft seine Botschaft von Jesus Christus dem Gekreuzigten nicht an die Launen der Welt. Er ist sich bewusst: Wenn er verkündigt, ist es nicht sein Wort, das er weiter sagt, sondern Gottes Wort. So schreibt er im ersten Brief an die Thessalonicher (1 Thess 2, 13): „Deshalb sagen wir Gott unablässig Dank dafür, dass ihr die Predigt des Wortes Gottes, als ihr sie von uns hörtet, nicht als Menschenwort, sondern, was sie wirklich ist, als Gottes Wort aufnahmt“.…

J Joachim Heisel

FREUDE

Ein fröhliches Herz tut dem Leib gut, ein bedrücktes Gemüt lässt die Glieder verdorren. So heißt es im Buch der Sprüche (Spr 17,22). Der Mensch ist zur Freude geschaffen. Freude hält uns am Leben. Wenn wir uns freuen können, leben wir intensiver. Freude ist erfülltes Leben. Freude teilt sich mit. Wer sich freut, bleibt nicht allein. Geteilte Freude ist doppelte Freude, heißt es. Freude schafft Frieden. Aus dem Ersten Weltkrieg wurde von der Westfront berichtet, dass plötzlich am Heiligen Abend eine große Stille eintrat und die Waffen schwiegen. Die Soldaten kamen langsam einer nach dem anderen aus den gegnerischen Schützengräben hervor, umarmten sich und und wünschten sich gegenseitig frohe Weihnachten. Für ein paar Stunden war Frieden, wenn auch danach das mörderische Ringen weiterging.

J Joachim Heisel

TEMPORA MUTANTUR ET NOS MUTAMUR IN ILLIS

Tempora mutantur et nos mutamur in illis. Dieser Spruch des römischen Schriftstellers Ovid (43 v.Chr.-17 n. Chr.) drückt eine allgemeine menschliche Erfahrung aus: Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen.

J Joachim Heisel

DER NAME DER ROSE

Das Buch Genesis schildert in bildmächtiger Sprache wie Gott, als er alles geschaffen hatte, den Menschen dazu aufrief, jedem einzelnen Tier einen Namen zu geben. „Gott bildete aus dem Erdboden alles Getier des Feldes und alle Vögel des Himmels und ließ sie zu dem Menschen kommen, um zu sehen, womit er ein jedes benennen werde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen.(Gn 2,19-20)“. Mit der Namensgebung ist auch die Sinnbindung der Natur an den Menschen ausgedrückt. Durch den Menschen aus der bloßen Existenz herausgerufen erhält die Natur sinn- und sinnenhafte Bedeutung für den Menschen und wird damit auch zum Bild und Gleichnis des Menschen selbst..

J Joachim Heisel

MISSBRAUCH

Es wäre falsch, das Sprechen über die Kirche nur noch auf das sicherlich sehr betrübliche Kapitel Missbrauch hinzulenken. Es ist dringend angebracht, dieses Kapitel einzugrenzen.

J Joachim Heisel

WIEDERGEBURT

Der Mensch besitzt als einziges vernunftbegabtes Wesen der Natur in sich den Kern der Gotteserkenntnis und damit auch die Möglichkeit der Erkenntnis von seinem Ursprung und Ziel. Der Christ liebt diese Welt, er liebt die Natur, denn sie ist aus den Händen Gottes hervorgegangen, und er fühlt sich aufgerufen, sie zu bewahren. Aber er weiß auch, dass diese Welt nicht das letzte Wort Gottes ist und dass auf diese Welt bei aller faszinierenden und betörenden Schönheit doch der Schatten des Todes und der Vergänglichkeit fällt, der den Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt. Genauso wie Christus verkündet hat: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen sondern es zu erfüllen“ (Mt 5,17), hat er die Natur des Menschen und ihre Gesetze nicht aufgehoben oder negiert. Er hat sie, indem er selbst Mensch wurde, mit der göttlichen Natur verbunden. Das geschieht für uns in der Taufe. Wie man früher wilde Bäume durch das Aufpfropfen eines Zweiges „veredelte“, so…

J Joachim Heisel

LIMONADENGLAS

Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass dankbare Menschen Krisen besser überstehen, weil sie gelernt haben, den Blick auf das Positive zu richten. Sie spüren mehr Sinn im Leben und haben ein besseres Selbstwertgefühl. Da sie wissen, dass sie nicht alles selber machen können, suchen sie in Schwierigkeiten eher Hilfe bei anderen. Dankbare Menschen haben weniger negative Bewältigungsstrategien, sehen ihre Probleme objektiver und nehmen weniger Zuflucht bei Alkohol und Drogen. Dankbare Menschen kommen auch besser mit neuen Lebensabschnitten zurecht. Vor allem im Alter oder nach negativen Lebensereignissen wie Scheidung, Krankheit, Tod von Angehörigen oder Verlust des Arbeitsplatzes ist es wichtig, sich dankbar an das Positive in Gegenwart und Vergangenheit zu erinnern, etwa: Ich bin zwar an Krebs erkrankt, aber ich habe eine Familie, auf die ich mich verlassen kann. Oder: ich habe zwar meinen Arbeitsplatz verloren, aber vor 5 Jahren habe ich…

J Joachim Heisel

SOMMERDÜRRE - BLOGGERLEBEN

Der Herbst kündet sich an. Der Sommer hat in Teilen des Landes Dürre gebracht. Als ich vor zwei Wochen im Rheinland war, schien das Land ausgetrocknet, die Wiesen gebleicht, das Laub schon welk, in den Bächen kaum Wasser. Der Wasserstand war in einigen Gemeinden des Landes so niedrig, dass Wasser rationiert wurde.

J Joachim Heisel

UM DES HIMMELREICHES WILLEN

Bei seiner Rede über die Ehe stellt Jesus am Schluss fest, dass es auch Menschen geben wird, die keine Ehe eingehen: „um des Himmelreiches willen“ (vgl Mt 19,1-11) Als gläubige Christen kommen wir an diesen Worten Jesu nicht vorbei. Die Tradition der Kirche hat seit über 2000 Jahren in der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ein besonderes Charisma (Gnadengabe) gesehen.

J Joachim Heisel

JEDEN GRASHALM LIEBEN

Bei einem Besuch bei einer Familie, von der ich dachte, dass sie im Kern noch christlich wäre, kamen wir auf das Thema Dankbarkeit zu sprechen. Ich hatte schon früher bemerkt, dass sie kein Tischgebet mehr sprachen. So traute ich mich, zu sagen, dass es wichtig wäre, ein Dankgebet zu den Mahlzeiten zu sprechen. Dadurch könnten die Eltern indirekt darauf verweisen, dass die Speisen auf dem Tisch nicht nur Frucht ihrer Arbeit und Bemühung sind, sondern dass es noch einen anderen Adressaten für einen Dank gäbe. Das könne die Eltern insofern entlasten als sie nicht allein stehen mit ihrer Verantwortung für die Familie. Darauf sagte der Familienvater, das könne er nicht, weil er nicht an Gott glaube. Er könne auch allen Menschen gegenüber dankbar sein, ohne an Gott zu glauben. Mag sein, dass er das kann, aber in seinem Leben entsteht ein Hohlraum, den er nicht füllen kann, wenn er für alles Mögliche dankbar ist aber nicht für die Welt und für sein Leben. Und auch seine…

J Joachim Heisel

ZWEI PROZENT

In der gegenwärtigen Diskussion inner- und außerhalb der katholischen Kirche über den sogenannten synodalen Weg, den die deutsche Kirche beschritten hat, wird manchmal die Frage vergessen, inwieweit andere Teile der Kirche oder auch die gesamte Weltkirche diesen Weg mitgehen wollen. Die deutschen Katholiken machen nicht einmal zwei Prozent der Weltkatholiken aus - mit schrumpfendem Anteil. Der Anteil der Europäer ist auf etwas über 20 Prozent abgesunken. Global gesehen nimmt die Zahl der Katholiken jedes Jahr um ca. 14 Millionen Menschen vor allem in Afrika und Asien zu. Weltweit gibt es 1,3 Mia. Katholiken. Es gibt also durchaus in Teilen der Kirche Aufbruch- statt Abbruch-Stimmung. Alles dies sollte man im Auge haben, wenn sich in Deutschland kirchliche Untergangsstimmung breitmacht. Ein Teil der Probleme, die sich manche Kirchenkreise in Deutschland stellen wie Frauenpriestertum oder Aufgabe des Zölibat oder bestimmte Fragen der Sexualmoral sind in weiten Teilen der Weltkirche…

J Joachim Heisel

Kühner Sprung

Wir können uns der letzten Geheimnisse nicht anders versichern als durch einen kühnen Sprung in die Tiefe. Dieser Sprung ist ein ungeheures Wagnis, er bedeutet eine ganz persönliche Entscheidung, aber wir dürfen sie trotz aller Gefährlichkeit und scheinbarer Ungewissheit getrost vollziehen, denn es ist kein blinder Zufall, dass wir unter diesen oder jenen Vorstellungen über die letzten Geheimnisse stehen, sondern diese Vorstellungen sind vom göttlichen Leben selbst in uns gewirkt. (Gertrud von le Fort)

J Joachim Heisel

MARIÄ HIMMELFAHRT

Heute feiert die Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt. Das Fest ist staatlicher Feiertag in zahlreichen Ländern, in Deutschland in überwiegend katholischen Gegenden Bayerns und im Saarland. In der Ostkirche trägt das Fest den Namen „Hochfest des Entschlafens der allheiligen Gottesgebärerin“ und wurde dort seit dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 gefeiert. Im Konzil von Ephesus wurde das Dogma (Anm. verbindlicher Glaubensinhalt) von Maria als „Gottesgebärerin“ (griech. Theotokos) für die ganze Kirche festgelegt. In der lateinischen Kirche wird das Fest Mariä Himmelfahrt seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.

J Joachim Heisel

LEBENSFREUDE

Ich war in Eile unterwegs zu einem Besuch und sah das Schild von Lidl. Noch schnell Blumen kaufen! Die junge Kassiererin saß allein an der Kasse und lachte, als ich mit meinem Strauss in der Hand auf sie zulief und sagte: „Wie schön, dass sie mir Blumen schenken wollen“. Für einen scherzhaften Moment traten wir beide aus unserer Käufer-Verkäufer-Rolle heraus. Als ich dann versuchte, eine Blume aus dem festgebundenen Strauß herauszunehmen, ging das nicht. Sie lachte und meinte: War ja nur ein Scherz!

J Joachim Heisel

LERNE NUR DAS GLÜCK ERGREIFEN

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sagt in einem seiner Gedichte: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da." Goethe war zwar bis nach Italien gereist und hat dort das Sehnsuchtsland der Deutschen gesucht, „das Land, wo die Zitronen blühen“, aber den größten Teil seines Lebens hat er in kleinen Stadt Weimar verbracht, wo er viel Zeit Studien der Natur gewidmet hat. Aus dieser Beobachtung hat er große Inspiration für sein dichterisches Schaffen und für ein Leben mit der Natur gefunden.

J Joachim Heisel

NUR FÜR HEUTE

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

J Joachim Heisel

IM ANFANG WAR DAS SPIEL

In Zeiten der Muße wie in Urlaub und Ferien sollten wir das Spiel nicht vergessen. Nach dem Schauen ist es auch das Spiel, was uns in Erholung und Freizeit viel Freude macht. Im Alten Testament, im Buch der Sprüche (8,22-31) heißt es in einem sehr poetischen Text, den wir auf den Menschen als spielendes Kind vor seinem Schöpfer (lateinisch homo ludens) beziehen können:

J Joachim Heisel

MORGENSTUND HAT GOLD IM MUND

Wie beginnen wir den Tag? Ich kannte eine Patientin, die jeden Tag morgens ans Fenster trat und sich bei der Sonne bedankte, dass sie wieder aufgegangen war.

J Joachim Heisel

DAS LIED VON DER KLEINEN BLUME - STARK WIE DER TOD IST DIE LIEBE (Hohes Lied 8,6)

Am Rande einer großen Asphaltstraße lebte eine kleine Blume. Um sie herum waren viele hohe Häuser aus Beton, in denen die Menschen wohnen. Auf der großen Strasse fuhren den ganzen Tag über die schnellen Autos der Menschen. An besonders heißen Tagen war die kleine Blume von der Blüte bis zu dem Stiel und den Blättern über und über mit dem Staub bedeckt, den die Autos aufwirbelten. Morgens kamen die Menschen aus den Häusern heraus und am Abend gingen sie wieder hinein. Die Menschen eilten so schnell an ihr vorüber, dass keiner die kleine Blume bemerkte, denn niemand hatte Zeit, die kleine Blume zu betrachten. Manchmal war die kleine Blume traurig darüber und dachte bei sich: Warum soll ich überhaupt noch weiter blühen, wenn ja doch niemand mich anschaut und sich an mir freut. So verging ein Tag nach dem andern. Die Menschen liefen weiter an ihr vorüber. Ihre großen Autos fuhren tagaus und tagein auf der großen Straße und machten der kleinen Blume mit ihrem Lärm große…

J Joachim Heisel

BETEN

Beten ist Gespräch mit Gott. Jedes Gespräch und jede Beziehung lebt vom Austausch. Als ich einmal mit der Frau eines Freundes sprach, sagte sie mir, dass ihr Mann nach einem Streit tagelang nicht mehr mit ihr sprach. Das hat diese Beziehung natürlich sehr belastet. Wenn das ein Dauerzustand wird, dann hat eine solche Beziehung keine Zukunft. Bei vielen gescheiterten Ehen wird auch oft berichtet, dass sich die Eheleute nicht mehr zugehört haben.

J Joachim Heisel

SELIG DIE ARMEN IM GEISTE

Vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu als Prophet des kommenden Gottesreiches berichten uns die Apostel Matthäus und Lukas. .Nach dem Sprachgebrauch des Neuen Testaments ist hierbei Gottesreich gleichbedeutend mit Himmelreich (griech. Basileia thou theou) Es ist die sogenannte Bergpredigt, die gewissermaßen das „Regierungsprogramm“ des kommenden Reiches Gottes darstellt (Mt 5,3-12 ; Lk 6, 20 – 25).:

J Joachim Heisel