RÜCKWÄRTS VERSTEHEN

Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts (Soeren Kierkegaard (1813-1855).

J Joachim Heisel

DAMIT ALLE EINS SIND

In seinem Abschiedsgebet vor seinem Leiden betete Jesus vor seinen Jüngern:

J Joachim Heisel

GLAUBE UND GEFÜHL

Wenn wir sagen, dass wir Gott nicht finden können und dass es uns vorkommt, als sei er weit von uns entfernt, so wollen wir damit richtiger sagen, dass wir das Gefühl seiner Nähe nicht haben. Es ist mir aufgefallen, dass viele keinen Unterschied machen zwischen Gott und dem Gefühl von Gott, zwischen dem Glauben und dem Gefühl des Glaubens, und das ist ein großer Fehler.

J Joachim Heisel

AUF EIGENE WEISE

Denn wir können die Kinder nach unserem Sinn nicht formen

J Joachim Heisel

VIEL KÄLTE

Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir es nicht wagen,uns so herzlich zu geben , wie wir sind (Albert Scheitzer).

J Joachim Heisel

WIE ICH OBERFRANKE WURDE

Als ein bayerischer Polizist bei einer Verkehrskontrolle in München meinen Ausweis mit dem Geburtsort Coburg sah, meinte er: „Sie sind Oberfranke.“ „Nein“, sagte ich, „ich bin nur da geboren, aber im Rheinland aufgewachsen.“ „Dann sind sie trotzdem Oberfranke“, war seine Antwort. „Mia san mir“, einmal Bayer, immer Bayer…! Coburg liegt fast schon in Thüringen, sozusagen in der Schwanzquaste des bayerischen Löwen. Erst im Jahr 1919 hatten sich die Coburger bei einer Volksabstimmung für die Zugehörigkeit zu Bayern statt Thüringen entschieden; Glück für sie, denn sonst wären sie später für 40 Jahre hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden.

J Joachim Heisel

SCHNEEMANN

Auf einer kleinen Schneewanderung im Ammertal stand plötzlich ein kleiner Schneemann mitten auf dem Weg. Offensichtlich hatte sich jemand die Mühe gemacht, den kleinen Mann zu modellieren und ihn mit Augen, Mund, Schnurrbart und Haaren zu versehen. Jemand wollte damit andern eine Freude machen und rief deshalb den kleinen Mann ins Leben. So können manchmal kleine Dinge am Wegesrand uns unverhofft Freude machen und unseren Tag erhellen.

J Joachim Heisel

ANNI

Vor einigen Jahren erzählte mir eine Patientin von einem Besuch auf der onkologischen Station, wo sie nach einer Operation noch weiter betreut wurde:

J Joachim Heisel

SO WAHR MIR GOTT HELFE

Wieder ist es ein Corona-Jahr geworden, das nun zu Ende gegangen ist. Der Rückblick zeigt, dass der Sommer nur eine Verschnaufpause war. Nun haben wir eine neue Regierung, die sich den alten und den neuen Herausforderungen stellen muss. Den Amtseid haben Bundeskanzler und Minister in der Mehrheit ohne die Anrufung "so wahr mir Gott helfe" geleistet. Mit bloß auf sich selbst abgelegten Amtseiden leisten sie allerdings totaler Verantwortung Vorschub. Im Verein mit einem weit verbreiteten Glauben an die allseitige Machbarkeit der Dinge sollen Politiker auch bei schicksalhaften Ereignissen die Gesellschaft zuverlässig schützen und vor Folgen bewahren.

J Joachim Heisel

SCHREBERGÄRTEN

Das Jahresende ist da und wir könnten nochmals die guten Momente dieses Jahres in unserer Erinnerung aufzusuchen Oft sind es gerade unspektakuläre, Augenblicke, die uns haften geblieben sind. Manchmal erinnern sie uns an andere wichtige Momente in unserem Leben. Bei mir war es unter anderen ein frischer Herbstmorgen, an dem ich zu meinem IT- Berater, der meine Website betreut, gefahren bin. Da der Weg zu ihm durch die halbe Stadt führt, bin ich beizeiten losgefahren und habe kurz vor der Ankunft festgestellt, dass ich zwanzig Minuten zu früh dran war. Rechts war noch ein Parkplatz frei. So hielt ich an und sah, dass hier mitten in der Stadt eine große Schrebergartenanlage ist. Ich stieg aus und ging in der milden Morgensonne des Oktobers den Weg durch die Gärten. Ich war um diese Zeit dort allein. Schrebergärten in der Stadt haben etwas von Oasen an sich. Sie sind gefüllt mit Träumen von Menschen, die mitten in der Stadt dem…

J Joachim Heisel

UNSERE NASE

Wenn wir uns selbst auch mit unseren Schwächen und Fehlern akzeptieren, können wir auch die anderen leichter ertragen so wie sie nun einmal sind. Wir selbst sind das gegebene „Material“, aus dem sich unser Leben formt. Aber auch die anderen tragen ein Erbgut mit sich herum, das sie nicht ändern können. Niemand kann ganz aus seiner Haut und wenn wir gelegentlich doch einmal „aus unserer Haut fahren“, bedarf das meist eines gehörigen Reizes, oft gepaart mit einer besonderen Empfindlichkeit in diesem Augenblick. Wenn wir uns „in unserer Haut wohl fühlen“, ist das ein Zeichen, dass es uns in dem Moment gut geht und wir mit uns und der Welt in Einklang sind. Wer immer an sich selbst herumnörgelt, wird das auch bei anderen tun. Von solchen Menschen, die immer etwas an sich oder den anderen auszusetzen haben, sollten wir uns möglichst fernhalten.

J Joachim Heisel

UNSER BRUDER

Während zwei Jahren betreute ich zusammen mit einem anderen guten Freund, der aus Barmherzigkeit die Pflegschaft übernommen hatte, einen gemeinsamen Freund, der keine Angehörigen hatte, in einem Münchener Altenheim. Er war im Endstadium von Demenz und hatte eine schwere Depression. Ich begleitete ihn oft zur Sonntagsmesse in der schönen von dem bekannten Münchner Architekten Gabriel von Seidl (1848-1913) in den Jahren 1901-1903 gestalteten Hauskapelle. Es predigte fast jedes Mal ein alter Kapuzinerpater für die Heimbewohner. Fast alle Anwesenden waren an der Endstation ihres Lebens angekommen. Er sprach für die alten Leute jeden Sonntag die gleiche Predigt mit gewissen Varianten. Sie lautete ungefähr so: Wer ist Jesus? Unser Bruder, dein Bruder, mein Bruder, der uns jeden Tag an die Hand nehmen will, bis er uns schließlich in den Himmel führen wird. Warum ist er unser Bruder geworden? Damit wir Gott kennen können.

J Joachim Heisel

FRIEDE DEN MENSCHEN GUTEN WILLENS

Die Abtei Dormitio ist ein Kloster in Jerusalem, das von deutschen Benediktinern aus Beuron im Jahre 1906 gegründet wurde. Seit Jahren pilgern die dortigen Benediktiner in der Heiligen Nacht nach Bethlehem, wo nach der Tradition die Krippe Jesu stand. Dabei tragen sie eine Schriftrolle mit sich, die mit Fürbitten aus aller Welt beschrieben sind. Sie ahmen die Hirten nach, die auf Geheiß eines Engels mitten in der Nacht von ihren Herden weg über die Wiesen und Felder zur Krippe Jesu gingen.

J Joachim Heisel

WEGE ZUM SINN

Viktor Frankl (1905-1997) hat drei Hauptstrassen für Lebenssinn und Selbsttranszendenz empfohlen:

J Joachim Heisel

FREUNDSCHAFT UND VERTRAUEN

Beim Letzten Abendmahl in der Nacht vor seinem Tod sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe (Joh 15,15)“. Das sagte Jesus, obwohl er wußte, dass die gleichen Jünger ihn bei seinem Leiden allein lassen, ja sogar verraten und verleugnen würden. Ich weiß nicht, wie wir uns verhalten hätten. Ich glaube kaum, dass wir auf solche Freunde Wert gelegt hätten.

J Joachim Heisel

GEDENKEN

Bei einem meiner Spaziergänge entlang der Isar bemerkte ich dieser Tage ein Eisengitter, in dem runde Steine aufgestapelt sind und auf denen Namen stehen oder auch nur NN (No Name). Beim nächsten Mal stand darüber ein Schild mit einer Inschrift, auf der die Deutung des Steinwerks gegeben wurde als Kunstbaustelle, die auf die 35000 Menschen hinweisen möchte, die auf ihrer verzweifelten Suche nach einer besseren Zukunft im Mittelmeer schon bis jetzt ertrunken sind. Ein berührendes und erschütterndes Monument! Einige Tage später haben ich den Aktionskünstler selbst an seiner „Baustelle“ getroffen und ich habe ihn gefragt, ob ich sein Kunstwerk und damit seine Botschaft in meinen Blog übernehmen darf, womit er sofort einverstanden war.

J Joachim Heisel

ARMUT

In der Antike gab es Mythen von Göttern, die zu den Menschen herabkamen und in ihr Leben eingriffen. Aber ein Gott, der in Leid und Tod der Menschen eintaucht, war den Menschen von damals unvorstellbar und auch heute sind wir versucht, das als Mythos aus vergangener Zeit abzutun. Ein Gott, der arm auf die Welt kam und bei einer Hinrichtung starb, war und ist ein Ärgernis. Paulus sagt es im ersten Korintherbrief: „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für die Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (1 Kor 23). Und doch hat diese Botschaft die Welt bis auf den heutigen Tag revolutioniert.

J Joachim Heisel

ÜBER SICH HINAUS

In einem Vortrag vor Studenten in Köln in den 1970er Jahren, bei dem auch ich anwesend war, sagte Viktor Frankl (1905-1997 ), der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, kein Instinkt sage dem Menschen, was er tun muss und keine Tradition, was er tun soll. Deshalb müsse der Mensch einen Willen zum Sinn entwickeln, auch in aussichtslosen Situationen.

J Joachim Heisel

NIKOLAUSABEND

Am Montag ist Nikolausabend. Nikolaus von Myra ist einer der bekanntesten Heiligen der Ost- und der Westkirche. Er wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts und war Bischof von Myra in Kleinasien, der heutigen Türkei. Nach seiner Priesterweihe verteilte er sein Vermögen unter die Notleidenden der Stadt. In der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian im Jahre 310 wurde er gefangen genommen und gefoltert. Zahlreiche Legenden ranken sich um sein Leben. Als er erfuhr, dass ein verarmter Mann aus seiner Notlage heraus, seine drei Töchter, die er ohne entsprechende Mitgift nicht verheiraten konnte, zu Prostituierten machen wollte, warf Nikolaus drei Goldklumpen nachts durchs Fenster in die Schlafkammern der Mädchen. Deshalb gilt Nikolaus als Schutzpatron aller Mädchen und Frauen, die von Prostitution bedroht sind. Bei einem Seesturm sei er plötzlich am Steuer des bedrohten Schiffes erschienen und habe es in ruhigere Gewässer gelenkt. So gilt er auch als…

J Joachim Heisel