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PAULI BEKEHR

Geschrieben am 21.01.2020
von Joachim Heisel

Das Fest Pauli Bekehrung (25.Januar) feiert den Tag, an dem aus dem Christenverfolger Saulus vor Damaskus der Völkerapostel Paulus wurde. Saulus, ein Eiferer für die alte Ordnung der Juden, hatte die Christen verfolgt und getötet. Die Apostelgeschichte berichtet, wie er bei der Hinrichtung des Stephanus, einer der ersten Christen, anwesend war und dessen Tod durch Steinigung billigte (vgl.Apostelgeschichte 7,54-60). - Später als er schon jahrelang im Namen Christi mit Erfolg gepredigt hatte, sagte er  deshalb von sich: Ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche verfolgt habe (1 Kor 15,9).

Auf dem Weg zu weiterer Verfolgung der Christen in Damaskus wurde er von einem Lichtstrahl geblendet, stürzte vom Pferd und hörte plötzlich die Stimme Christi, die zu ihm sprach: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? - Saulus bekehrte sich zu Christus, ließ sich taufen und nahm den Namen Paulus an. Aus dem Verfolger Saulus wurde aber jetzt der verfolgte Paulus, denn nach seiner Bekehrung versuchten seine früheren Anhänger, ihn zu  töten. Nur durch eine nächtliche Flucht über die Stadtmauer von Damaskus konnte er sich retten (vgl.Apostelgeschichte.9,1-22).

Früher war dieser Tag Pauli Bekehrung ein Feiertag, denn die Heiligenfeste waren wie Wegmarken im Ablauf des Jahres. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die alten Wetterregeln an diesen Tagen festgemacht wurden. Von meinem Freund Paul, der in einem Dorf in der Eifel aufgewachsen ist, wurde ich darauf aufmerksam gemacht.

So  heißt es etwa bei Pauli Bekehrung: Ist Pauli Bekehrung hell und klar, so hofft man auf ein gutes Jahr. Oder: Sankt Pauli im Sonnenschein bringt Fruchtbarkeit und guten Wein.  Und dann: Pauli Bekehr Winter halb hin, halb her. Inwieweit diese Regeln heute noch gelten, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls beruhen sie  wohl auf von Generation zu Generation weitergegebener jahrhundertelanger Wetterbeobachtung.

Im Unterschied zu heute beruhte früher vieles Wissen nicht nur im Bereich der Wetterbeobachtung  nicht bloß auf eigener Erfahrung sondern auch auf Tradition und damit auf Treu und Glauben. Da wir heute gelernt haben,  Wissen nur dann für wahr zu halten, wenn es nachprüfbar ist, können wir heute nur schwer einer Tradition trauen. Der christliche Glaube lebt aber von Tradition und Überlieferung. Christen glauben, dass Gott in der Menschwerdung Jesu ein für allemal zu den Menschen gesprochen hat. Aus dem Wort Gottes, das „Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat ( Joh 1,14)“ leiten sie ihren Glauben ab, aus dem sie sich bemühen zu leben.

Tatsächlich ist ein einzelnes Leben meist zu kurz, um einen umfassenden Sinn zu finden. Wir brauchen dazu auch die Erfahrung der Menschen, die vor uns gelebt haben. Hierbei  ist nicht der Bereich der Technik oder Medizin gemeint, wo natürlich die neuesten Erkenntnisse in der Regel die besten und genauesten sind. Gemeint ist die Erfahrung des Menschen mit sich selbst und der Welt durch die Jahrhunderte und Jahrtausende. Der naturwissenschaftliche und  technische Fortschritt gaukelt uns manchmal vor, dass je mehr und je schneller wir über alles  informiert sind, wir unser Leben auch besser gestalten können. Was unser alltägliches Leben angeht, stimmt das durchaus. Wenn es aber um die Sinngestaltung unseres Lebens geht, brauchen wir „nachhaltige“ Informationen.

Zurück zum Wetter: Bis jetzt hatten wir einen vergleichsweise milden Winter, für viele eine  Bestärkung der Tatsache des Klimawandels und gleichzeitig eine Sorge der Wintersportler um ausreichend Schnee in den Bergen. Vor 150 Millionen Jahren gab es in Bayern und Deutschland ein tropisches Meer. Soweit wird es wohl vorerst nicht kommen.

Ich denke zurück an ein Jahr in München, wo wochenlang die Leute, die nicht das Glück einer Garage hatten, ihr Auto aus dem Schnee graben mussten. Manchmal stellte sich nach dem Ausgraben eines Autos  heraus, dass es das Auto des Nachbarn war, das man ausgegraben hatte. Das trug  zur Solidarität untereinander bei  aber auch zur Entzweiung, etwa wenn der weggeschaufelte Schnee vom eigenen Parkplatz  auf dem Parkplatz des Nachbarn landete. Ärztliche Hausbesuche hatten Abenteuercharakter und waren dann fast einfacher mit Skiern als mit dem Auto zu machen.

Tempora mutantur et nos mutamur in illis. Dieser Spruch des römischen Schriftstellers Ovid (43 v.Chr.-17 n. Chr.) drückt eine allgemeine menschliche Erfahrung aus: Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen. -Trotzdem sollten wir bei aller berechtigten Sorge um die Zukunft und die etwa durch den Klimawandel sicher  notwendigen Verhaltensänderungen nicht vergessen, dass der Mensch  die Fähigkeit hat, seinem Leben Sinn zu geben durch unveränderliche Werte, die zu allen Zeiten zum Gelingen des Lebens Geltung hatten und haben und um die auch unsere Vorfahren schon wussten.

Und übrigens:

Schaugn mar amoi, da seng ma`s scho mehr

wie`s Wetter wird an Pauli Bekehr

 

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