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CORONA

Geschrieben am 21.03.2020
von Joachim Heisel

Es ist etwas eingetreten, wovor Fachleute spätestens nach dem Auftreten von Schweine- und Vogelgrippe schon längst gewarnt haben: Ein neuer  Erreger ist aufgetreten, gegen den bisher kein wirksames Gegenmittel hilft und gegen den man sich auch durch Impfung bisher nicht schützen kann. Dazu kommt, dass er sich schneller ausbreitet als bisher angenommen.

Es ist auch der Preis der Globalisierung, die neben den großen Vorteilen und manchen Nachteilen einen unerwartet hohen Preis von einer Seite fordert, die wir so nicht erwartet haben.

Die Corona-Krise ist für Deutschland die größte kollektive Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie öffnet wie jede große Krise aber  auch Chancen für kollektive Solidarität, so unsere Kanzlerin Angela Merkel. Da der Feind ein Virus ist, sollten dabei Weltanschauung und politische Richtung keine Bedeutung haben. Solidarität funktioniert nur in einer Gesellschaft, in der Werte gelebt werden, man kann auch sagen, wo es Tugenden gibt: Ordnung, Gehorsam, Dienst- und Einsatzbereitschaft, Opferbereitschaft und die Fähigkeit zu Empathie und Solidarität. Es ist gut, wenn wir jetzt wieder darüber sprechen. Solidarität mit den Schwachen ist eine Grundsäule des Christentums. Im Evangelium nach Matthäus erklärte sich Christus solidarisch mit den Schwachen: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40). .

Wenn infolge der Corona-Krise vieles wegfällt, was sonst unseren Alltag durch Arbeit und Gesellschaftsleben strukturiert, werden jetzt vor allem die primären Beziehungen freigelegt, die sonst allzu oft im Getriebe des Alltags untergehen. Während das öffentliche Leben weitgehend brach liegt, verdichtet sich das persönliche Leben in Ehe, Familie oder Partnerschaft: Die Kinder bleiben zuhause, Wegzeiten fallen weg, eventuell sogar der Gang zur Arbeit. Gewonnene Zeiten, wenn all das nicht  infolge Corona wäre. Schlimm vor allem, dass wir mit dieser gewonnenen Zeit unsere Eltern und sonstige ältere Menschen nicht besuchen und betreuen dürfen, damit wir sie nicht der Gefahr einer Ansteckung aussetzen. Hier bedarf es anderer Mittel der Kommunikation.

In einer solchen Extremsituation kommt man einander näher oder man fällt sich nervös auf die Nerven. Beziehungen kommen  auf den Prüfstand. Hier bekommt das Wort des heiligen Paulus eine akzentuierte Bedeutung: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gebot Christi erfüllen (Gal 6,2). Jetzt  können wir konkret erfahren, dass Beziehungen das wichtigste Gut sind, das wir besitzen, und wenn wir gläubig sind, auch unsere Beziehung zu Gott, denn nur sie vermag uns letzten Halt zu geben. Es ist auch die Besinnung auf einen letzten Grund und eine Sinnverankerung all unseres Tuns und Wirkens, die vielleicht jetzt an die Oberfläche kommt, wo sie bisher im Plastikmüll des Alltags verborgen war. Wir erfahren auch, dass  wir immer Teil eines Ganzen sind und nur so leben und überleben können. Und auch, dass unser Leben nur bedingt allein in unseren Händen ruht. Was wir schon  wussten, erleben wir  jetzt hautnah. Es kann uns einer Tugend wieder näher bringen, die wir Demut nennen.

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