VERKÜNDIGUNG UND WAHRHEIT

Geschrieben am 25.09.2020
von Joachim Heisel


Da Verkündigung nur auf Sendung hin geschehen kann, bleibt sie an die Sendung und an den Sendenden  gebunden. Christus verkündigt uns nicht seine Worte. Er sagt seinen Jüngern:„ Das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir. sondern vom Vater, der mich gesandt hat ( Joh 14,24 )“. Seine Speise ist es, den Willen des Vaters zu tun ( Joh 4,34 ). Im heiligen Geist bewahrt die Kirche die Botschaft ihres Herrn und vollzieht seinen Willen. Deshalb tritt Paulus auf, sei es gelegen oder ungelegen ( 2 Tim 4,2). Er verkauft seine Botschaft von Jesus Christus dem Gekreuzigten nicht an die Launen der Welt. Er ist sich bewusst: Wenn er verkündigt, ist es nicht sein Wort, das er weiter sagt, sondern Gottes Wort. So schreibt er im ersten Brief an die Thessalonicher (1 Thess  2, 13): „Deshalb sagen wir Gott unablässig Dank dafür, dass ihr die Predigt des Wortes Gottes, als ihr sie von uns hörtet, nicht als Menschenwort, sondern, was sie wirklich ist, als Gottes Wort aufnahmt“. Wenn das so ist mit der Verkündigung, und es ist so, dann bleibt auch die Verkündigung der Kirche an die Worte dessen gebunden, der sie sendet, das heißt an die ganze unverfälschte Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus, an die ganze unverfälschte Wahrheit. Das heißt aber Absage an alle Glaubensverkürzung und alle Zweideutigkeiten. Das heißt klare und eindeutige Verkündigung. Das heißt Absage an alle oberflächlichen Kompromisse, die um irgendwelcher Modernitäten willen geschlossen werden. Nicht modern, sondern wahr, heißt unser Auftrag: Gerade angesichts mancher gegenwärtiger Verwirrungen ist es dringend notwendig, die unveränderte und vollständige Wahrheit zu verkündigen.

Aus einem Vortrag des früheren Bischofs von Essen Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991) bei einer Tagung in Madrid am 2.10. 1973

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