ST.MARTIN

Geschrieben am 11.11.2020
von Joachim Heisel


Heute feiern wir das Fest Sankt Martin mit Umzügen und Laternen. In meiner Heimatstadt Trier ritt am Martinstag der heilige Martin mit Schwert und rotem Umhang durch das antike römische Stadttor Porta Nigra und wir Kinder standen da mit unseren Laternen und sangen das Martinslied: Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross das trug ihn fort geschwind... Tatsächlich war Martin im Jahre 386 in Trier gewesen. Allerdings war er da schon Bischof von Tours.

Martin stammte aus Pannonien, aus Szombathely in heutigen Ungarn und lebte im vierten Jahrhundert. Er stammte aus einer Soldatenfamilie und war als junger Mann römischer Legionär in Gallien. Als mitten im Winter an einem Wegrand in der Nähe von Amiens ein vor Kälte frierender Bettler ihn um seinen Mantel bat, zerschnitt Martin kurzerhand den Mantel mit seinem Schwert und gab die eine Hälfte dem Bettler. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm im Traum Christus, der seinen Mantel trug und Engel haben ihm verkündet: „Martinus hat mich mit diesem Mantel bekleidet“,  entsprechend dem Wort Christi: „Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet…,denn was ihr einem von meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan (vgl. Mt 25,35-40)“.

Seitdem ist diese Szene neben dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der einem von Räubern Überfallenen Hilfe leistete (vgl. Lk 10,25-37), in West und Ost zu einer Ikone christlicher Barmherzigkeit geworden, die sich tief ins Bewusstsein der Menschen eingegraben hat und auch dann noch wirksam bleibt, wenn die Bilder selber verblassen. So sagte  unlängst eine Abgeordnete der Grünen in einem brennenden Plädoyer für die obdachlosen Asylanten von Moria: „Der barmherzige Samariter hat auch seinen Mantel geteilt und hat nicht gewartet bis jemand kommt und sagt, ich wäre auch noch bereit“. Damit  hat sie den barmherzigen Samariter mit dem heiligen Martin verwechselt. Man sieht wie auch in anderen Fällen, dass selbst ihr mehrsemestriges Theologiestudium sie nicht vor Irrtum bewahrte.

Aber die Grundaussage kam an: Wir sollen überall soweit uns das möglich ist, den Mantel der Nächstenliebe und der Empathie um die Schultern der Menschen legen, wenn wir sie in welcher Not auch immer antreffen. Dabei geht es in unserem Alltag nicht um die großen Weltprobleme. Es geht um die Werke der Barmherzigkeit in der kleinen Münze des Alltags: Hinschauen und Hinhören und wo es uns möglich ist, auch handeln, Zeichen des Mitgefühls, der Empathie und der Freundschaft setzen.

Von alters her hat die Kirche neben den sogenannten leiblichen Werken der Barmherzigkeit:

Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Kranke besuchen, Gefangene trösten und Tote begraben auch die sogenannten geistigen Werke der Barmherzigkeit gekannt:

Unwissende lehren.

Zweifelnden raten.

Trauernde trösten.

Irrende und Sünder zurechtweisen.

Denen die uns beleidigen gerne verzeihen.

Lästige geduldig ertragen.

Für die Lebenden und Verstorbenen beten.

 

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