ADVENT

Geschrieben am 28.11.2020
von Joachim Heisel


Am Sonntag ist der erste Advent. Was wir in unseren Städten sehen, sind Lichtergirlanden in unseren Straßen, die glitzernden Schaufenster, den Christbaum auf dem Marienplatz, dieses Jahr ohne Weihnachtsmarkt und Glühwein. Das sind alles Zeichen, dass sich ein großes Ereignis ankündigt. Es flatterte mir jetzt ins Haus ein glänzender Weihnachtskatalog mit allen möglichen Dekorationen für ein gelingendes Weihnachtsfest einschließlich Weihnachtskugeln, aus denen man Weihnachtscocktails trinken kann und auf einer Seite sogar eine klitzekleine Krippe, die man sich dazu stellen könnte - immerhin.

Das Wort Advent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Ankunft. Was bedeutet Advent? In der Antike war es die Zeit vor der Ankunft des göttlichen Kaisers, Divus Augustus. Die Christen haben das übertragen auf die Ankunft Christi, des Erlösers, die sie  an Weihnachten feiern.

Die Juden waren das auserwählte Volk Gottes. Ihnen hatte Gott durch ihre Propheten eine Verheißung gegeben. Eines Tages sollte ein Messias kommen, der sein Volk erlösen würde von jeglicher Form der Knechtschaft. Zur Zeit Jesu verstanden viele Juden darunter die Befreiung von der verhassten Herrschaft der Römer. Über Jahrhunderte hatte diese Erwartung das Volk Israel durch alle Höhen und Tiefen seiner Geschichte getragen.

Erlösung ist für uns ein Wort, das nicht mehr zu unserem Sprachgebrauch gehört, allenfalls in Zusammenhang mit der Erlösung von schwerer Krankheit. Endlich ist er oder sie erlöst, sagen wir, wenn jemand nach schwerer aussichtsloser Krankheit stirbt, wenn dann endlich der ersehnte Tod eintritt.

Aber Erlösung im christlichen Sinne meint mehr. Als Jesus, der verheißene Messias im Lande Israel umherzog und zum Volk predigte, wirkte er zahlreiche Wunder. Eines Tages brachte man einen Gelähmten zu ihm. Wegen einer großen Volksmenge konnte man den Kranken nicht durch die Tür in das Haus bringen, wo Jesus war. Also deckte man das Dach ab und ließ den Gelähmten direkt vor Jesus herab. Als Jesus den Glauben der Menschen sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben, und später: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause. Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging nach Hause ( vgl Mk 2,1-11).

Hier macht Jesus deutlich, dass er nicht gekommen ist, bloß physisches Leid zu heilen sondern vor allem, um die Menschen vom tiefer liegenden Leid der Sünde zu erlösen. Hier sind wir  bei einem Unwort angekommen. Sünde lassen wir allenfalls als Systemfehler gelten etwa in Form des Verkehrs-, Diät- oder Umweltsünders aber weniger im Sinne persönlicher moralischer Schuld.

Was ist nun  die Sünde?

Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis und hauchte ihm göttliches Leben ein (Gn 1,27; 2,7). Wenn der Mensch sich gegen den göttlichen Wesenskern in sich  wendet, sündigt er gegen Gott, gegen  sich selbst, und gegen seinen Nächsten. Sünde ist die Verdunkelung des Bildes Gottes im Menschen. 

Als König David Ehebruch mit Batseba, der Frau seines Untergebenen Urija begangen hatte, und diesen umbringen ließ, um seine Tat zu vertuschen, bekannte er vor Gott, nachdem er seine Sünde erkannte: Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt (vgl. 2 Sam 11-12; Psalm 51,6).

Wenn ich einen Menschen wie einen Sklaven behandle oder ihn sexuell missbrauche, sündige ich gegen dass Bild Gottes in mir selbst und im anderen und gegen Gott selbst, der den Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat.

Oft gesteht sich der Mensch seine Sünde nicht ein. Auch König David musste erst durch den Propheten Natan zur Erkenntnis seiner Sünden gebracht werden (2 Sam 12,1-25).

Manchmal erkennt man die Sünde erst an ihren Folgen. Wenn jemand infolge Diabetes oder Mangelernährung an einer Nervenstörung in den Beinen erkrankt ist, merkt er nicht, wenn er sich am Fuß verletzt, weil seine Empfindung gestört ist.

So kann man auch infolge spiritueller Mangelkrankheit gefühllos gegen die Sünde geworden sein. Man merkt es oft erst an den Folgen, dass schwere Defizite vorliegen. Paulus beschreibt als Folgen der Sünde im Galaterbrief: Streit, Feindschaft, Eifersucht, Zorn, Missgunst, Neid, Egoismus, Entzweiung und Maßlosigkeit beim Essen und Trinken sowie im Bereich der Sexualität (vgl Gal 5,19-21).

In der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch der heiligen Schrift, im Brief an die Gemeinde von Laodizea (Offb 3,17—20) heißt es mahnend - vielleicht auch an uns:

Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt. Darum rate ich dir: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst; und kaufe von mir weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht aufgedeckt wird; und kaufe Salbe, um deine Augen zu salben, damit du sehen kannst! Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst und kehr um! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.

Advent ist nicht nur Zeit der Erwartung sondern auch der Umkehr und Busse. In der Liturgie des 3.Adventssonntags wird Johannes der Täufer, der Vorläufer und Wegbereiter Jesu, zitiert: Kehrt um! Bereitet den Weg des Herrn (vgl Mt 3,2-3). Das Wort Buße kommt von dem althochdeutschen Wort buoza und bedeutet Umkehr. Die Kirche bietet dafür das Sakrament der Wiederversöhnung an. Darin spricht der Priester im Namen Christi und der Kirche folgende Worte:

„Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und uns den  Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von Deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Allen Freundinnen und Freunden meines Blogs wünsche ich einen schönen und besinnlichen Advent! 

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