NIKOLAUSABEND

Geschrieben am 05.12.2020
von Joachim Heisel


Nikolaus von Myra ist einer der bekanntesten Heiligen der Ost- und der Westkirche. Er wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts und war Bischof von Myra in Kleinasien, der heutigen Türkei. Nach seiner Priesterweihe verteilte er sein Vermögen unter die Notleidenden der Stadt. In der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian im Jahre 310 wurde er gefangen genommen und gefoltert. Zahlreiche Legenden ranken sich um sein Leben. Als er erfuhr, dass ein verarmter Mann aus seiner Notlage heraus, seine drei Töchter, die er ohne entsprechende Mitgift nicht verheiraten konnte, zu Prostituierten machen wollte, warf Nikolaus drei Goldklumpen nachts durchs Fenster in die Schlafkammern der Mädchen. Deshalb gilt Nikolaus als Schutzpatron aller Mädchen und Frauen, die von Prostitution bedroht sind. Bei einem Seesturm sei er plötzlich am Steuer des bedrohten Schiffes erschienen und habe es in ruhigere Gewässer gelenkt. So gilt er auch als Schutzpatron der Seefahrer und des Handels. In der Zeit der Deutschen Hanse ist er zum Schutzheiligen vieler Städte gewählt worden und viele Kirchen sind auch heute noch nach ihm benannt. Auch ist er auch der Schutzpatron der Kinder, woraus sich das heutige Brauchtum ableitet.

In der orthodoxen Kirche wird der heilige Nikolaus seit dem 6. Jahrhundert verehrt. Neben Christus und Maria mit dem Kinde wird er häufig  auf den Ikonostasen dargestellt. Der Name Nikolaus kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: Sieg des Volkes. In den deutschsprachigen Raum gelangte die Verehrung des heiligen Nikolaus im 10. Jahrhundert über die byzantinische Prinzessin Theophanu, die Frau des Kaisers Otto II.

Mit dem Weihnachtsmann hat der heilige Nikolaus nichts gemein. Er ist eine Erfindung amerikanischer Geschäftsleute und vertritt ausschließlich kommerzielle Ziele.

In der Mangelzeit nach dem Krieg gab es wenig Dinge aber man war in der Familie viel zusammen. Einzige Verbindung nach außen waren die sogenannten Volksempfänger. Das Nazi-Regime hatte dafür gesorgt, dass es in jedem Haushalt ein solches Radio gab. Es diente der Propaganda und im Krieg dem Verkünden von Siegen und später von Niederlagen, nach dem Krieg für Unterhaltung und Nachrichten. So war man besonders in der Advents- und Weihnachtszeit auf den engen Kreis von Familie, Nachbarn und Freunden beschränkt. Reisen war kaum möglich. Eigentlich zeigen sich heute in den Zeiten der Pandemie einige Parallelen zu damals.

Als Geschenk zu Weihnachten bekam ich ein schön bemaltes Auto aus Holz.  Als meine Tante meiner Cousine und mir einen Roller schenken wollte, musste sie die Roller von der englischen in die französische Zone schmuggeln, denn wie ein Karnevalsschlager damals verkündete, waren die Deutschen statt im großdeutschem Reich nun die „Einwohner von Trizonesien“ geworden. Trizonesien war die sogenannte Trizone, die aus der amerikanischen, englischen und französischen Zone bestand.

Am Nikolausabend kam die Familie meiner Cousine zu uns. Sie wohnten schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Ein Kollege meines Vaters war Onkel Leo. Er spielte für uns den Nikolaus, ein Freund von ihm den Knecht Rupprecht, der mit einer Kette rasselte und mit einem Reisigbündel als Rute um sich schlug. Meine Cousine versteckte sich hinter dem Sofa. Der Nikolaus fragte mich, ob ich denn ein Gebet aufsagen könnte. Zur Enttäuschung meiner Mutter fing ich an, die Witwe Bolte von Wilhelm Buch aufzusagen…

Es ging alles gut aus. Der heilige Nikolaus alias Onkel Leo las aus seinem goldenen Buch gute und schlechte Taten von meiner Cousine und mir vor. Ursula kam hinter dem Sofa hervor und wir bekamen Bonbons  und Schokolade – damals als Mangelware aus dem nahen Luxemburg herübergeschmuggelt. Knecht Rupprecht kam auf Weisung des heiligen Nikolaus nicht zum Einsatz.  Am nächsten Morgen meldete ich aber dann doch Zweifel an: „Der Nikolaus hatte die gleiche Stimme wie der Onkel Leo…"

Allen einen schönen Nikolausabend und einen weiteren besinnlichen Advent!

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