In der U-Bahn sprachen eine Frau und ein Mann mittleren Alters laut miteinander auf bayerisch. Sie kannten sich wohl schon von früher und unterhielten sich über ihre jeweiligen Familien. Als der Mann auf einen Familienkonflikt zu sprechen kam, der ihn wohl sehr schmerzhaft berührte, sagte die Frau: Hast du einen Stacheldraht um dein Herz gemacht? Er antwortete: Ich bin weiter für alles offen geblieben. Ich fand die Ausdrucksweise "Stacheldraht um ein Herz" irgendwie sehr anschaulich und habe weiter darüber nachgedacht.
Tatsächlich, gerade in Familienauseinandersetzungen kommt es vor, dass manchmal sogar wegen Kleinigkeiten ein dauernde Entzweiung auftritt, die sogar mit Kontaktabbruch enden kann. Hier helfen manchmal auch keine Appelle zur Versöhnung, weil die Verletzungen so tief empfunden werden, dass ein Vergeben unmöglich erscheint. Hierbei spielt oft eine Rolle, dass man sein Gesicht zu verlieren meint, wenn man als erster nachgibt.
Vergeben ist schwer. Es ist so, als wenn wir ein Vermögen abgeben oder das Schuldkonto eines andern löschen würden. Aber es tut uns selbst auch nicht gut weiter in Zustand des Unversöhntseins zu verharren. Deshalb lohnt es sich, den ersten Schritt zu wagen.
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