Ich war im Bezirkskrankenhaus Haar, um dort einen Freund zu besuchen, und gehe in die Anstaltskirche auf dem Klinikgelände. Ich setze mich nieder und versuche etwas zu beten, auch für den Freund, der dort in Behandlung ist. Mir kam auch in Erinnerung, wie viele schlimme und tragische Schicksale sich hier in der Klinik ereignet haben, auch die Ermordung von Kranken und Behinderten in der Zeit der des Nationalsozialismus.
Da begann leise Musik und es wurde ein Text vorgelesen, der eigentlich zu der tristen Umgebung nicht passte und der mir vielleicht deshalb gut gefiel:
Man hat recht, die Schönheit der Welt zu lieben, denn sie ist das Zeichen eines Liebesaustausches zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung. Die Schönheit ist für die Dinge, was die Heiligkeit für die Seele ist.
Das sind Gedanken der französischen Philosophin Simone Weil (1909-1943). Sie war ursprünglich Sozialistin und arbeitete, obwohl sie aus einem intellektuellen jüdischen Arzthaushalt stammte und Philosphie studierte, als Fräserin in einer Fabrik, um sich mit den einfachen Arbeiterinnen zu solidarisieren, die dort ihr karges Brot verdienten.
Nach einem mystischen Erlebnis im Jahre 1937 in der Kirche des heiligen Franziskus in Assisi wandte sie sich dem Christentum zu.
In ihrem Ringen um Gott und ihre Beziehung zum Christentum sowie in ihrem Kampf für die Gleichberechtigung der Frau gilt sie besonders in Frankreich als eine geistige Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts.
Weitere Sätze von Simone Weil:
Das Schöne ist das, was man nicht ändern will.
Die Liebe ist der Blick der Seele.
Es ist nicht meine Angelegenheit, an mich zu denken. Meine Angelegenheit ist es, an Gott zu denken. Es ist Gottes Sache, an mich zu denken.
Alle Sünden sind Versuche, eine Leere auszufüllen.
Man muss sich mit dem Ewigen beschäftigen, um aktuell zu sein.
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