LINDENBLATT

Geschrieben am 20.08.2025
von Joachim Heisel


Alles, was mit uns in unserer Kindheit passiert ist, prägt unser späteres Leben. Psychologen meinen, dass ein Großteil unserer frühkindlichen und kindlichen Erfahrungen in unserem Unterbewusstsein weiter schlummern, aber auch unser Denken und Handeln weiter beeinflussen. Sie sprechen von dem sogenannten „Inneren Kind" in uns. Dieses innere Kind meldet sich immer wieder zu Wort, zum Beispiel in unseren Beziehungen. Wenn wir als Kind von unseren Eltern zum Beispiel sehr behütet aufgewachsen sind, kann es sein, dass wir ein vermehrtes Bedürfnis nach Sicherheit haben, was dazu führen kann, dass wir die gleichen Ansprüche des Behütetseins auch an unseren späteren Lebenspartner oder unsere Lebenspartnerin stellen. 

Das kann natürlich zu einer Überlastung des Partners oder der Partnerin führen, die uns davon abhält, eine Beziehung auf Augenhöhe zu haben. Letztlich ist es gut für uns, zu erfahren, wie wir „ticken" und  wo unsere Schwächen sind. Dann können wir uns durch eine rationale Bewusstwerdung ein Stück ein Stück weit davon  frei machen und erkennen, dass wir da einen übertriebenen Anspruch an den andern haben oder aber auch in einem anderen Fall, dass wir z. B. selbstbewusster auftreten  müssen und können  so unser Verhaltensmuster modifizieren. 

Hier kann uns eine psychologische Beratung durchaus helfen. Es kann auch nicht schlecht sein, mit dem Beziehungspartner darüber zu sprechen, damit er verstehen kann, warum wir gelegentlich an bestimmten Stellen „ausrasten".

Aus der Nibelungensage ist uns bekannt, dass auch der Superheld Siegfried eine Schwachstelle  hatte. Er hatte in heldenhaftem Einsatz einen Lindwurm erlegt und in seinem Blut gebadet. Das hatte ihn unverwundbar gemacht.. Aber infolge eines Lindenblatts, das vom Baum gefallen war, hatte er am Rücken eine Stelle, wohin das unverwundbar machende Blut des Untiers nicht gelangt war. Das wurde ihm zum Verhängnis, als sein Widersacher Hagen von Tronje davon erfuhr und ihn mit einer Lanze tötete. 

Auch bei uns geht es darum,  dass  wir um unsere Schwachstellen wissen, damit wir unnötige und  schmerzhafte Auseinandersetzungen und Verletzungen bei uns selbst und bei anderen möglichst meiden.

Aber darüber hinaus ist es auch wichtig, dass wir ein Grundvertrauen in die Welt und ihren Gang entwickeln, das  entlastend wirkt, wenn die Menschen unserer Umgebung uns nicht genügend Sicherheit geben können, oder wenn Lebensumstände eintreten, die mit Unsicherheit einhergehen, denken wir nur an schwere Krankheit,  Krieg oder Naturkatastrophen. 

So spricht der Psalm 2 der Bibel in Bildern von der Glaubensgewissheit, dass die Geschichte der Menschheit nicht ins Leere läuft, sondern bei allem Schrecklichen, was passiert ist oder noch passieren  mag,  am Ende der Zeiten in einem Reich des Friedens mit Christus als König geborgen bleibt.

Psalm 2,1-8:

Warum toben die Völker, 
warum ersinnen die Nationen nichtige Pläne?
Die Könige der Erde stehen auf, /
die Großen tun sich zusammen *
gegen den HERRN und seinen Gesalbten:
Lasst uns ihre Fesseln zerreißen *
und von uns werfen ihre Stricke!
Er, der im Himmel thront, lacht, *
der HERR verspottet sie.
Dann spricht er in seinem Zorn zu ihnen... 
Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./
Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. *
Ich selber habe dich heute gezeugt.
Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe *
und zum Eigentum die Enden der Erde.

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