Wenn die Hilflosigkeit anderer unser Herz berührt, wenn der Schmerz anderer unsere felsenfesten Überzeugungen zum Einsturz bringt, dann beginnt schon der Friede. Der Friede Gottes entsteht aus einem Schrei, der wahrgenommenen wird, aus einem Weinen, das gehört wird: Er entsteht inmitten von Ruinen, die nach neuer Solidarität rufen, er entsteht aus Träumen und Visionen, die als Prophetien den Lauf der Geschichte wenden. Ja, all dies existiert, denn Jesus ist der Logos, der Sinn, aus dem alles entstanden ist. »Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist« (Joh 1,3). Dieses Geheimnis spricht zu uns aus den Weihnachtskrippen, die wir gebaut haben, es öffnet uns die Augen für eine Welt, in der das Wort noch immer »viele Male und auf vielerlei Weise« (vgl. Hebr 1,1) widerhallt und uns weiterhin zur Umkehr ruft.
Gewiss, das Evangelium verschweigt nicht den Widerstand der Finsternis gegen das Licht, es beschreibt den Weg des Wortes Gottes als einen unwegsamen, mit Hindernissen übersäten Weg. Bis heute folgen die wahren Botschafter des Friedens dem Wort auf diesem Weg, der schließlich die Herzen erreicht: unruhige Herzen, die oft genau das ersehnen, was sie ablehnen. So motiviert das Weihnachtsfest neu eine missionarische Kirche und führt sie auf die Wege, die das Wort Gottes ihr vorgezeichnet hat. Wir dienen keinem anmaßenden Wort – davon gibt es schon überall genug –, sondern einer Gegenwart, die das Gute weckt, dessen Wirksamkeit kennt und kein Monopol darauf beansprucht.
Aus der Predigt von Papst Leo XIV in der Weihnachtsmesse im Petersdom in Rom
Nächster Blogbeitrag 31.12.25
Blogbeiträge dürfen geteilt wwerden
