Güte sieht im andern das Gute. Sie ist mit der Weisheit verbunden, die um die letzten Zusammenhänge des Seins weiß und danach ihr Tun richtet. Dem gütigen Menschen prägen sich im Laufe der Jahre die Züge seiner gütigen Haltung auf. Es gibt Menschen, von denen wir sagen, sie haben ein gütiges Gesicht. Der gütige Mensch ist tief davon überzeugt, dass auf dem Grund der Seele eines jeden Menschen das Gute weiterlebt, weil die Seele des Menschen aus den Hän-den Gottes hervorgegangen ist und wieder zu ihm zurückkehrt, wenn sie die göttliche Flamme in ihrem innersten Heiligtum nicht ganz zum Verlöschen bringt.
Je mehr der gütige Mensch weiß, desto mehr versteht er. Und je mehr er versteht, desto leichter fällt es ihm, voller Liebe und Mitleid mit den Menschen zu sein, denn der Heilige Geist führt ihn dahin, dass sein Wissen nicht zur Arroganz, sondern zu tieferem Verständnis und Liebe führt. Er hofft bis zuletzt, dass es mit dem Menschen gut enden wird.
Güte lässt den andern so, wie er ist. Sie vertraut darauf, dass das Gute siegen wird. Güte kann aushalten, dass der Weizen zusammen mit dem Unkraut aufwächst, wie das Gleichnis uns zeigt (Mt 13,24-30). Güte ist nicht darauf aus, den andern zum eigenen Guten zu bekehren. Sie traut Gott zu, dass er das Böse in Gutes verwandeln kann.
Güte hat mit Geduld zu tun. Güte kann warten, bis der andere zum Guten wird. Sie kann warten, bis die Zeit reif ist. Güte überspringt nichts. Güte kann zuhören und weiß, dass letztlich nur Gott allein gut ist und alles andere Teilhabe ist.
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