Märchen drücken oft tiefe Wahrheiten über das Leben aus, so auch das Märchen von Hans im Glück, das uns die Gebrüder Grimm. Überliefert haben. Es erzählt von Hans, der sieben Jahre bei seinem Herrn gedient hatte und nun wieder heim zu seiner Mutter wollte. Der Herr sagte: Du hast mir treu und ehrlich gedient, so soll auch dein Lohn sein und gab ihn ein Stück Gold „so groß als Hansens Kopf war“. Auf dem Weg nach Hause aber drückte ihn das Goldstück so auf der Schulter, das er es los werden wollte. Auch begegnete er Menschen, die andere Dinge besaßen, die ihm erstrebenswerter als das Goldstück erschienen. So tauschte er sein Goldstück gegen ein Pferd ein. Als ihm auch das lästig wurde, weil es ihn aus dem Sattel warf, tauschte er es bei einem Bauern, der des Weges kam, gegen eine Kuh. So ging der Tausch weiter bis Hans durch ein Missgeschick auch das letzte Tauschobjekt, einen Schleifstein, mit dem er eine neue Existenz als Scherenschleifer beginnen wollte, in einen Brunnen fallen ließ und ihm von seinem Reichtum nichts mehr blieb.
Und nun heißt es: Hans, als er den Stein mit seinen Augen in die Tiefe hatte versinken sehen, sprang vor Freuden auf, kniete nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihn auf eine so gute Art, und ohne dass er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von dem schweren Stein befreit hätte, der ihm allein noch hinderlich gewesen wären. „So glücklich wie ich," rief er aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne." Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.
Wollte man Hans im Glück tiefenpsychologisch ausdeuten war es bei ihm auch ein gerüttelt Maß an Bequemlichkeit, zu starke Mutterbindung und mangelnde Bereitschaft, sich mit dem Leben auseinanderzusetzen, was sein Handeln. bestimmte.
Aber es ist doch eine Erkenntnis bei suchenden Menschen, dass um zum Wesentlichen zu gelangen, man auf Dinge verzichten und sich von ihnen trennen muss, die sonst Herz und Kopf gefangen nehmen und belasten.
Antoine de Saint-Exupéry spricht einmal davon, dass die Wüstenbewohner glücklicher sind als die Bewohner der Oasen. In der Wüste kann man nur wenige Dinge gebrauchen, da man alles mit sich herumtragen muss. Man hat nur Himmel und Sand und noch ein paar Gegenstände, die man dringend braucht. Es kommt nicht von ungefähr, dass suchende Menschen sich in die Wüste zurückgezogen haben, um dort zum Wesentlichen zu gelangen.
So verbringen hochrangige Manager unter Anleitung eines Coachs oder einer Coachin gegen viel Geld verlängerte Wochenenden auf einer einsamen Berghütte mit Strohsächen als Matratzen unter Abgabe ihrer Handys, um so zu tieferen Erkenntnisssen zu kommen.
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