An Pfingsten kommt der Heilige Geist über die Apostel. Christus sagt vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen" (Joh 16,12-13).
Im prophetischen Buch Jesaja (11,1-3) heißt es: Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des HERRN ruht auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
Die Kirche hat daraus die sieben Gaben des Heiligen Geistes abgeleitet. Eine davon ist die Gabe der Wissenschaft. Damit ist aber nicht das gemeint, was wir heute unter Wissenschaft verstehen. Wir meinen damit vor allem die Naturwissenschaften, die durch Beobachtung der Natur Kenntnisse gewinnt, die uns enorme Einsichten in die Beschaffenheit unserer Welt und daraus abgeleitet großen materiellen und technischen Fortschritt gebracht hat.
Mit der Gabe der Wissenschaft ist vielmehr eine intuitive Sicht und Deutung von Mensch und Welt gemeint, die die bloßen Fähigkeiten unseres Verstandes und unserer Sinne überschreitet und die aus der innersten übernatürlichen Erkenntnis stammt, die nur Gott uns durch seinen Heiligen Geist mittels der Gnade vermitteln kann, letzten Endes eine Frucht der Gnade, die wir in Taufe und Firmung empfangen, die aber durch ein gottgefälliges Leben und den Empfang der Sakramente aufrecht erhalten wird.
In der Praxis heisst das, dass wir z.B. beim Betrachten der Natur den Schöpfer sehen, so etwa wie Jesus zu seinen Jüngern gesagt hat: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie?" (Mt 6,26)
Oder es gelingt uns, in den Menschen in unserer Umgebung nicht bloß Partner oder sogar Gegner zu sehen sondern geliebte Kinder Gottes, die mit uns berufen sind zu einem ewigen Leben bei Gott.
In der Arbeit können wir dann nicht nur eine Tätigkeit sehen, die uns mal Freude macht, ein anderes Mal Ärger und Last mit sich bringt, sondern eine Teilhabe an der Schöpfung des Vaters und am Aufbau des Reiches Gottes auf Erden gemäß dem Wort des heiligen Paulus:
„Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt" (Röm 8,21-22).
Familie und Gemeinschaft sind dann der Ort, wo sich die dreifaltige Gemeinschaft in Gott ebenbildlich abbildet, die eine Gemeinschaft der Liebe und gegenseitiger Achtung ist so wie es in dem schönen Lied von Taizé (Youtube) heisst: Ubi caritas et amor. Deus ibi est – Wo die Liebe wohnt, da ist auch Gott (vgl Joh 4,16).
Bei aller Beschränktheit und allem Versagen dürfen wir als Christen nicht aufhören, in solchen Dimensisonen zu denken und zu leben, denn auch das sagt uns der heilige Paulus: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist" (Röm 12,2).
Nächster Blogbeitrag 27.5.26
