Irgendwann werden wir die ganze längere oder kürzere Geschichte unseres Lebens hinter uns lassen müssen. Helmut Schmidt äußerte einmal die Überzeugung, er und seine Frau Loki seien davon überzeugt, dass wir uns nach dem Tod in Moleküle auflösen und uns im All verlieren. Andere glauben an ein Leben nach dem Tod, wo sie Gott begegnen werden. Beides hat erhebliche Konsequenzen für die Art und Weise, wie wir unser Leben betrachten.
Wenn wir uns bloß in Moleküle auflösen, brauchen wir uns weiter keine Gedanken zu machen übr einen tieferen transzendenten Sinn imin unserem Leben, Das heisst aber keineswegs, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, nicht doch ein moralisch gutes Leben führen können und auch, dass sie andere Menschen wirklich lieben können und sich für andere einsetzen. Mir steht da zum Beispiel der Arzt Dr.Rieux aus dem Roman La Peste von Albert Camus vor Augen, der obwohl Atheist sich aufopferungsvoll für seine Kranken während einer Pestepidemie in der Stadt Oran in Algerien einsetzt.
Als Christen glauben wir an einen Gott, der uns ins Leben gerufen hat und uns fragt, was wir damit angefangen haben, und wir dürfen ihn als einen Vater erkennen, der wie jeder gute Vater zunächst das Gute in uns sehen wird und der bereit ist das schlechte, was natürlich auch in unserem Leben vorgekommen ist, zu verzeihen.
Es gibt Menschen, die berichtet haben, dass schon fast an der Schwelle des Todes ihr ganzes Leben wie in einem Film in ihrem Kopf noch einmal abgelaufen ist und sie die glücklichen Momente nochmals im Zeitraffer erlebt haben und andererseits Reue verspürt haben für alles, was schlecht war.
Im Gleichnis vom Verlorenen Sohn (LK 15,11-22) zeichnet Jesus das Bild eines barmherzigen Vaters, der seinen reuigen Sohn mit offenen Armen aufnimmt:
Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner! Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.
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