APFELBAUM

Geschrieben am 24.06.2026
von Joachim Heisel


Dieses Jahr war ich schon auf drei Bestattungen.. Der peinlichste  Augenblick bei einer katholischen Beerdigung ist dann gekommen, wenn der Pfarrer die anwesenden Trauernden aufruft, für den nächsten zu beten, „der vor das Angesicht Gottes treten wird". Dann geht ein verstohlener Blick in die Runde, wer das wohl sein könnte.

Ältere Patienten haben öfter zu mir gesagt, wir könnten ja nicht immer leben, weil ja  dann kein Platz wäre für alle, die nach uns kommen, sozusagen Sterben als letzter Akt der Nächstenliebe. Eine ältere Patientin, der ich sagen musste, dass sie an Lungenkrebs erkrankt war, meinte: Herr Doktor, es ist nicht so schlimm, wenn ich jetzt sterben muss. Es ist im Leben doch immer wieder das Gleiche.

Tatsächlich kann es ein bedrückender Gedanke sein, dass wir bis ultimo auf dieser schrumpeligen Erde herumlaufen sollen.

In dem Roman „Endmoräne“ über eine alternde Frau sagt Monika Maron: „Der Herbst ist die Zeit, wo ich mich am wenigsten unnütz fühle. Herbst ist wie das Alter die Zeit des Abschieds. Wer Abschiede mag und wer das Alter als Abschied erlebt, liebt den Herbst. Es kann aber auch das wohlige Gefühl des Endes sein, das wir aus der Sicherheit erleben: Es gibt nochmals einen Frühling, und er wird kommen, selbst dann, wenn ich ihn nicht mehr erlebe.“

Der ewige Frühling, an den wir Christen glauben, ist für alle da. Und je weniger Frühlinge wir auf dieser Erde noch vor uns haben, desto näher rückt er uns. Martin Luther hat das bekannte Wort gesprochen: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ 

Es ist dieses unerschütterliche Vertrauen, dass die Welt in den Händen Gottes ruht, selbst dann, wenn sie bereits dem Untergang geweiht sein sollte, und dass unserTun sogar dann noch in Gott einen Sinn hat, den wir ihm von uns aus nicht geben können.

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