SANKT ELISABETH

Geschrieben am 28.08.2026
von Joachim Heisel


Ich war auf der Bank in der Nähe des Ostbahnhofs in München und danach in der Kirche Sankt Elisabeth, einem schönen Rundbau mit viel Licht. Ich war ganz allein dort. Eine Frau trat herein und ging zum Tabernakel, zündete Kerzen an und betete davor. Es war, als ob zwischen uns eine Verbindung entstand mit dem Tabernakel als Zentrum. Ich dachte an das Wort Jesu: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)

Die ursprüngliche Sankt Elisabethkirche stammte aus dem Jahr 1956. In den 1980er stellte man anlässlich des U-Bahn Baus erhebliche Mängel in Fundament und Statik der Kirche fest, so dass sie außer dem Turm, der sich als standhaft erwies, durch einen Neubau ersetzt werden musste. Am 26. November 1995 wurde das neue Kirchenzentrum durch Kardinal Friedrich Wetter geweiht.

Die heilige Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist seit Jahrhunderten eine Ikone der Nächstenliebe. Sie  wurde bereits als 13-jährige mit dem Landgrafen Ludwig, dem Herzog von Thüringen verheiratet und lebte auf der Wartburg. 

Die Ehe mit Ludwig, obwohl von den Eltern arrangiert, war überaus glücklich und als einige seiner Gefährten Ludwig  bei seiner häufigen Abwesenheit von der Wartburg empfahl, sich eine Geliebte zu nehmen, antwortete er: „Ihr Herren, wenn euch meine Gnade lieb ist, hütet euch, mir das noch einmal zu sagen. Ich habe eine Frau, der ich die Treue halten will."

Als ihr Ehemann am 11. Juli 1227 auf einem Kreuzzug  an Fieber stirbt, zerbricht Elisabeth fast an der Trauer um ihren geliebten Gatten.  

So wurde sie bereits mit 20 Jahren Witwe. Ihr leidenschaftliches Temperament führte sie dazu, dass sie auf heroische Weise die christliche Nächstenliebe lebte. Sie durchbrach alle Barrieren des Standes und der Konvention und verbrauchte ihr ganzes Vermögen für die Armen. Das erfuhr starken Widerstand ihrer Umgebung, so dass sie nach dem Tod ihres Mannes mit ihren drei Kindern die Wartburg verliess.

Elisabeth wurde eine der volkstümlichen  deutschen  Heiligen. Dabei entstammte sie einer Familie, die neben Heiligen wie der heiligen Hedwig auch Gewaltherrscher hervorgebracht hatte. Ihr Vater war nur zur Herrschaft gelangt, nachdem er einen Krieg gegen seinen eigenen Bruder geführt und der Papst sein wohl ungerechtes Vorgehen mit dem Bann bestraft hatte.

Einmal, so wird berichtet, pflegte Elisabeth einen  Aussätzigen im eigenen Ehebett und schenkte einem frierenden alten Mann ihren  Mantel. Als Ludwig auf Veranlassung seiner Umgebung in das Schlafzimmer ging, soll er der Legende zufolge mit seinen inneren Augen den gekreuzigten Heiland gesehen und das Wort Christi gehört haben: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40). Er ließ Elisaberh gegen den Widerstand des gesamten Hofstaats weiter gewähren.

Nächstet Blogbeitrag 29.8.26