HERBSTZEITLOSE

Geschrieben am 18.09.2026
von Joachim Heisel


Jetzt blüht sie wieder auf den Wiesen, die Herbstzeitlose, einerseits filigran schön anzusehen, andererseits hochgiftig. Nur wenig ihres Wirkstoffs Colchizin genügt, um tödlich auf den Herzrhythmus zu wirken. Andererseits ist sie in rechter Dosierung als Arzneimittel ein probates Mittel gegen Gicht. „Dosis facit venenum"- die Dosis macht das Gift - so lautet der Leitspruch des Pharmakologen. So steht sie für die Ambivalenz der Natur dem Menschen gegenüber, auf der einen Seite giftig, auf der anderen Seite heilend. Dies und ihr Auftreten im Herbst hat die Herbstzeitlose (lat. Colchicum autumnale) von Alters her  in der Blumensprache zu einem Kontrastsymbol  aus zarter Schönheit, Tödlichkeit und Vergänglichkeit im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen gemacht. 

Gerade im Herbst mit seiner Ambivalenz von Schönheit und Vergänglichkeit gibt es zwischen jetzt  und noch nicht manchmal zeitlose Momente, wo die Zeit still zu stehen scheint wie ich es dieser Tage auf einer Parkbank im Englischen Garten in der milden Herbstsonne  beim Anblick der Herbstzeitlosen erleben durfte.

Ihren deutschen Namen hat die Herbstzeitlose von einem frühen Botaniker aus dem 16. Jahrhundert namens Leonhart Fuchs, weil sie „außer der Zeit" blüht.

In der griechischen Mythologie hat die Zauberin Medea, die ihren Schwiegervater mit einem Zaubertrunk töten wollte, dabei einige Tropfen verschüttet, die als Herbstzeitlose auf die Erde fielen...

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