Das Leid steht wie eine dunkle Wolke über unserem Leben. Manchmal taucht es unvermittelt am Horizont auf. Ich denke an eine siebzigjährige Frau, die nie zum Arzt ging und als sie sich dann doch dazu entschloss, musste der Arzt ihr eröffnen, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt war. So krass wird es wahrscheinlich bei uns nicht sein.
Aber wir alle kennen es, dass kein Tag vergeht, ohne dass wir eine schmerzliche Erfahrung machen, sei es Unverständnis, vielleicht sogar im Kreis unserer Liebsten, oder auch ein unerwartetes Missgeschick, zum Beispiel, dass uns bei einem wichtigen Termin der Bus davon gefahren ist und wir deshalb zu spät kommen, eine Enttäuschung über das Verhalten eines guten Freundes oder einer Freundin und vieles andere mehr. Nun, wir alle, ob gläubig oder ungläubig, müssen damit fertig werden.
Als Christen haben wir aber die Gewissheit, dass alles Leid, auch wenn wir es jetzt noch nicht verstehen können, in Gott seinen Sinn erhalten wird. Jesus Christus, der all unser Leid und Versagen auf sich genommen hat, sprach in der tiefsten Verlassenheit seiner Todesstunde am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Psalm 22,2)
In seinem Kommentar zu den Psalmen schreibt Alfons Deissler über diesen Psalmvers: Das betende Gottesvolk steigt im Nachbeten des Psalms, des Sterbegebetes seines Erlösers und Herrn, gleichsam in dessen dunkle Leidenstiefe hinab und steigt von dort mit ihm auf ins Morgenlicht der Auferweckungsherrlichkeit, die alle Weltzeit überstrahlt.
Zuvor in der Nacht vor seinem Tod im Garten Getsemani als furchbare Angst ihn befiel angesichts dessen, was ihn erwartete, hatte Jesus gebetet: „Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille geschehe sondern der deine."
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